Felsen aus Gips – gießen, spachteln oder schnitzen?

14.06.2026 17:26
#1
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Hallo ihr Lieben,

meine Schmalspurstrecke braucht eine Felswand: etwa 80 cm lang und 30 cm hoch, direkt hinter dem Gleis. Es soll nach Hochgebirge aussehen, also schroff und hell, nicht nach Steinbruch im Flachland.

Ich habe drei Methoden gefunden und kann mich nicht entscheiden:

  • Gips in fertige Felsformen gießen und die Stücke zusammensetzen
  • Gips flächig auftragen und mit dem Spachtel strukturieren
  • einen Block gießen und nach dem Anziehen schnitzen


Was liefert das glaubwürdigste Ergebnis, auch für jemanden ohne viel Übung? Von meinen Reisen habe ich stapelweise Fotos echter Felswände als Vorlage.

Liebe Grüße, Anna

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


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14.06.2026 18:19
#2
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Hallo Anna,

die Fotos sind das Wichtigste, schau dir darauf vor allem die Schichtung an. Echter Fels hat eine Richtung. Alle Bänke laufen parallel, meist leicht geneigt. Der häufigste Fehler im Modell sind Felsen, bei denen jedes Stück in eine andere Richtung zeigt.

Meine Methode ohne gekaufte Formen: Alufolie zerknüllen, wieder locker aufziehen, als Wanne formen und Gips hineingießen. Das gibt scharfe Bruchkanten, die keine Spachtel hinbekommt. Die Abgüsse setze ich mit frischem Gips an die Wand und schnitze die Fugen nach, solange alles noch feucht ist.

Zum Schnitzen reichen ein altes Küchenmesser und ein Schraubendreher.

Gruß, Bernd

Schwarzwaldbahn in H0 · Kehrtunnel im Bau


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14.06.2026 19:11
#3
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Servus Anna,

und dann kommt die Farbe, da wird am meisten verdorben. Bitte kein Grau aus dem Topf deckend drüber, das gibt Beton.

Gips zuerst mit Wasser annässen. Dann lasierend arbeiten, also sehr dünn: erst ein helles Ocker, fleckig, dann ein dünnes Umbra. Danach eine fast schwarze Brühe nur in die Ritzen laufen lassen. Wenn alles trocken ist, mit einem fast trockenen Pinsel und gebrochenem Weiß über die Kanten streichen. Das holt die Struktur heraus.

Lieber dreimal dünn als einmal dick, eine Lasur kann man nachlegen, aber nicht wegnehmen.

Servus, Hans

Schotter, Gras und Farbe – der Rest ist Geduld.


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15.06.2026 08:39
#4
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Hans' Rezept unterschreibe ich sofort. Zwei Kleinigkeiten machen danach den Unterschied zwischen gut und echt:

Wasserläufe: Wo beim Vorbild Wasser herunterrinnt, ist der Fels dunkler, in senkrechten Streifen. Mit stark verdünntem Schwarzbraun von oben nach unten ziehen, unregelmäßig.

Flechten und Bewuchs: Hier und da gelbgrüne und rostfarbene Tupfer, mit einem Stück Schwamm aufgetragen. Und auf jedem Absatz, auf dem Erde liegen bleiben könnte, etwas Grün.

Leg deine Reisefotos beim Malen daneben, das Auge findet die Farben dann von allein.

LG Lisa

Patina statt Plastikglanz.


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15.06.2026 09:28
#5
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Ich habe es am Wochenende mit der Alufolie probiert und bin begeistert, wie einfach das geht. Sechs Abgüsse, alle mit derselben Neigung angesetzt, die Fugen nachgeschnitzt. Aus zwei Metern Entfernung sieht es schon ungefärbt nach Berg aus.

Das Lasieren kommt nächste Woche dran, wenn alles durchgetrocknet ist. Die Fotos vom Pass liegen schon bereit.

Danke für die tollen Anleitungen!

Liebe Grüße, Anna

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


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15.06.2026 10:55
#6
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Servus Anna, ein Nachtrag, falls die Wand auf einem Segment sitzt, das du mal tragen musst: Gips ist schwer. Ich baue den Berg aus Hartschaumplatten vor und ziehe den Gips nur als dünne Schale von fünf bis zehn Millimetern darüber. Sieht genauso aus und wiegt einen Bruchteil.

Martin

Gebirgsanlage H0 · Epoche V · Viadukte im Bau


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15.06.2026 14:18
#7
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Danke Martin, da habe ich Glück gehabt: Der Hang darunter ist ohnehin aus Hartschaum, die Abgüsse sind nur zwei Zentimeter dick. Das Segment lässt sich noch gut tragen.

Inzwischen ist auch lasiert, genau nach Hans' Reihenfolge. Das Annässen vorher war der entscheidende Tipp, die Farbe läuft von selbst in die Vertiefungen. Die dunklen Wasserläufe nach Lisa habe ich an zwei Stellen gesetzt, darunter wächst jetzt ein Streifen Moos. Ich kann mich gar nicht sattsehen.

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


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15.06.2026 19:51
#8
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Das freut mich, Anna! Ein letzter Handgriff noch, der gern vergessen wird: Am Fuß jeder Felswand liegt Schutt. Streu dort gesiebten Sand und ein paar gröbere Bröckchen von deinen Gipsresten hin, in denselben Farben lasiert wie die Wand. Dann wächst der Fels aus dem Boden und steht nicht wie hingestellt auf der Wiese.

Servus, Hans

Schotter, Gras und Farbe – der Rest ist Geduld.


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