Schwarzwaldbahn-Motive in H0: zwei Kehrtunnel auf 5 x 3 Metern
#1
Hallo miteinander,
zwischen den Jahren ist in der Werkstatt Ruhe, da komme ich endlich dazu, meine Anlage vorzustellen.
Raum: der Anbau neben der Schreinerei, 5,0 x 3,2 m. Die Anlage läuft an drei Wänden entlang, in der Mitte bleibt ein Bediengang. Vorbild sind Motive der Schwarzwaldbahn, kein Nachbau eines bestimmten Abschnitts. Die Strecke gewinnt über zwei Kehrtunnel rund 28 cm Höhe, oben liegt ein kleiner Durchgangsbahnhof.
Eckdaten:
- H0 Zweileiter, zweigleisige Hauptstrecke
- Mindestradius sichtbar 600 mm, im Tunnel 540 mm
- Steigung 2,2 %
- Epoche III, V 200 und 50er vor Eilzügen und Güterzügen
Der Rahmen ist aus 18 mm Birke-Multiplex, die Spanten stehen im Abstand von 40 cm. Holz kann ich, bei der Elektrik werde ich euch brauchen.
Gruß, Bernd
#2
Hallo Bernd,
600 mm sichtbar bei zweigleisiger Strecke, das wird großzügig aussehen. Zwei Punkte würde ich prüfen:
Steigung im Bogen: 2,2 % in der Geraden fühlen sich im 540er-Bogen wie gut 3 % an, weil der Bogenwiderstand dazukommt. Im Kehrtunnel also lieber etwas flacher trassieren.
Lichte Höhe: Wie viel Luft hast du zwischen den Ebenen, wo sich die Strecke überkreuzt? Unter 8 cm ab Schienenoberkante wird es mit späterer Oberleitung und mit der Hand zum Aufgleisen eng.
Gruß, Tom
#3
Tom, beides berücksichtigt, aber gut, dass du fragst.
In den Bögen der Kehrtunnel habe ich auf 1,8 % zurückgenommen, die 2,2 % gelten nur in den geraden Rampen. Die Trasse ist 10 mm Multiplex auf Gewindestangen M6, damit kann ich jede Stütze auf den halben Millimeter einstellen. Übergänge in die Steigung sind über 30 cm ausgerundet, sonst hängen die langen Wagen mit den Kupplungen.
Lichte Höhe an den Kreuzungen 9 cm ab Schienenoberkante. Oberleitung kommt nicht, ich bleibe bei Dampf und Diesel.
#4
#5
Martin, das war bei der Planung meine größte Sorge.
Lösung in drei Teilen: Unter jedem Kehrtunnel gibt es eine Eingriffsöffnung im Rahmen, 40 x 30 cm, da komme ich von unten mit dem Arm bis ans äußere Gleis. Zusätzlich sind zwei Bergkuppen abnehmbar, die Trennfuge läuft entlang eines Waldrands und fällt später nicht auf.
Und an der Außenseite jeder Tunneltrasse sitzt ein 3 cm hoher Sperrholzstreifen als Leitplanke. Wenn doch mal etwas entgleist, bleibt es wenigstens auf der Trasse liegen und stürzt nicht 80 cm tief auf den Betonboden.
Gruß, Bernd
#6
#7
Fortschritt aus dem Januar und Februar: Der Berg wächst.
Hans, ich mache beides. Der Kern ist Hartschaum, in Schichten verleimt und grob mit dem Messer in Form gebracht. Nur die sichtbaren Felspartien sind Gips. Dafür habe ich mir Silikonformen von echten Steinbrocken aus dem Wald hinter dem Haus gemacht, den Gips darin gegossen und die Abgüsse noch feucht an den Hartschaum gedrückt. Die Fugen dazwischen werden mit einem alten Stechbeitel nachgeritzt.
Gewicht hält sich so in Grenzen, die Felsschicht ist nirgends dicker als 2 cm. Bisher sind etwa 1,5 m Felswand fertig gegossen, aber noch gipsweiß.
Jetzt die Frage an die Farbkünstler: Wie bekomme ich den typischen grau-rötlichen Granit hin?
Gruß, Bernd
#8
Hallo Bernd,
Granit ist dankbar, wenn man in Schichten arbeitet:
1. Grundierung mit stark verdünntem Mittelgrau, so dünn, dass der Gips es aufsaugt.
2. Unregelmäßig lasierend Rotbraun und Ocker eintupfen, nie flächig.
3. Ein dunkles Washing aus Schwarzbraun in alle Ritzen laufen lassen.
4. Nach dem Trocknen mit fast trockenem Pinsel und hellem Grau über die Kanten gehen.
Wichtig: zwischendurch aus zwei Metern Abstand anschauen. Aus der Nähe wirkt es oft fleckig, aus Betrachterabstand genau richtig. Und lieber drei dünne Durchgänge als ein dicker.
Liebe Grüße, Lisa
#9
Hallo Bernd,
die Gegend kenne ich von vielen Wanderungen, deshalb lese ich besonders gespannt mit. Was die Strecke im Original ausmacht, ist für mich der dichte, dunkle Nadelwald, durch den die Züge immer nur kurz auftauchen.
Wie viele Bäume planst du, und baust du sie selbst? In N komme ich für meine kleine Anlage schon auf über 200, bei dir muss das eine ganz andere Größenordnung sein.
#10
Nadine, du triffst den wunden Punkt. :)
Ich habe grob gezählt: Für die Hänge brauche ich rund 400 Fichten und Tannen. Fertig sind 85. Die im Vordergrund baue ich selbst: Stamm aus einem angespitzten Rundholz, mit der Raspel Rinde angedeutet, dann Äste aus Naturfasern in mehreren Lagen aufgeklebt, in Form geschnitten und mit dunkelgrünen Flocken bestreut. Pro Baum eine halbe Stunde, Höhe 18 bis 24 cm.
Für die hinteren Reihen nehme ich einfachere Bäume und setze sie dicht an dicht, da sieht man nur die Spitzen. Das wird das Winterprojekt für die nächsten drei Jahre.
Gruß, Bernd
#11
Was für ein Projekt! Ich bin die Strecke letztes Jahr gefahren und saß die ganze Zeit mit der Nase am Fenster. Was mir im Gedächtnis geblieben ist: kaum große Brücken, dafür Tunnel an Tunnel, und man sieht das Gleis, auf dem man gleich fährt, schon weit unter sich am Hang.
Genau diesen Blick von oben auf die tiefere Ebene solltest du irgendwo freilassen, Bernd. Das ist der Moment, in dem jeder versteht, was ein Kehrtunnel ist.
Liebe Grüße, Anna
#12
Hallo Bernd,
du hattest um Hilfe bei der Elektrik gebeten, daher ein Vorschlag, bevor der Berg zu ist: Teile jede Rampe in mindestens zwei Blockabschnitte je Richtung und setze Belegtmelder auch in die Tunnelgleise. Dann siehst du am Stellpult, wo der Zug gerade steckt, obwohl er unsichtbar ist.
Praktisch heißt das: je Abschnitt eine Schiene einseitig trennen und eine eigene Zuleitung nach vorne ziehen. Das kostet jetzt einen Nachmittag und erspart dir später das Rätselraten, ob im Kehrtunnel noch ein Güterzug steht.
#13
Susanne, danke, die Trennstellen sind gesägt, acht Abschnitte insgesamt, die Zuleitungen liegen beschriftet am Anlagenrand. Anschließen lasse ich mir von euch erklären, wenn es so weit ist.
Anna, den Durchblick gibt es: Zwischen den beiden Kehren bleibt eine Schneise ohne Wald, da sieht man von oben beide Ebenen übereinander.
Stand heute: Die Felsen sind nach Lisas Rezept gefärbt, die Tunnelportale aus Gips gegossen und die Steinfugen von Hand graviert. Und die wichtigste Nachricht: Die V 200 hat mit acht Eilzugwagen die ganze Rampe genommen, ohne ein einziges Mal zu schleudern.
Gruß, Bernd
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