Flohmarktfund: ein alter Buchfahrplan – wer hilft beim Lesen?

21.12.2025 17:11
#1
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Hallo zusammen,

auf dem Bücherflohmarkt am Wochenende habe ich zwischen Kochbüchern und Weihnachtsromanen ein dünnes Heft gefunden: einen Buchfahrplan aus den 60er Jahren, für Güterzüge einer Strecke irgendwo im Mittelgebirge. Ich konnte nicht widerstehen.

Jetzt sitze ich davor und verstehe die Hälfte. Jede Seite gehört zu einem Zug. Oben stehen Angaben zu Lok, Last und Geschwindigkeit, darunter eine Tabelle mit Bahnhöfen, Uhrzeiten und mehreren Spalten mit Zahlen. Manche Zeiten stehen in der Ankunftsspalte, manche nur in der Abfahrtsspalte.

Als Ingenieurin würde ich das gern systematisch verstehen. Wer kann mir die Spalten erklären? Und wofür genau war so ein Heft gedacht, im Unterschied zum Kursbuch?

Viele Grüße, Susanne

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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21.12.2025 20:50
#2
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Schöner Fund, Susanne. Der Buchfahrplan ist der Fahrplan für das Lokpersonal. Das Kursbuch ist für die Reisenden und zeigt nur, wann ein Zug wo hält. Der Buchfahrplan sagt dem Lokführer, wie er zu fahren hat.

Im Kopf der Seite stehen üblicherweise die Zugnummer, die vorgesehene Lokbaureihe, die Last in Tonnen, die Höchstgeschwindigkeit des Zuges und die erforderlichen Bremshundertstel.

In der Tabelle darunter findest du:

  • die Lage der Betriebsstellen in Streckenkilometern
  • die zulässige Geschwindigkeit im jeweiligen Abschnitt
  • die Betriebsstellen selbst, also Bahnhöfe, Abzweigstellen, Blockstellen
  • Ankunfts- und Abfahrtszeit

Steht nur eine Zeit da, fährt der Zug dort durch. Stehen zwei da, hält er.

Für den Fahrdienstleiter gab es dazu passend den Bildfahrplan: ein Diagramm mit der Zeit auf einer Achse und der Strecke auf der anderen, jeder Zug eine schräge Linie.

Gruß, Uwe

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22.12.2025 20:42
#3
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Für Betriebsspiele ist das die beste Vorlage, die es gibt. Ich schreibe für meine Sessions vereinfachte Buchfahrpläne nach genau diesem Muster: eine Karte pro Zug, oben Lok und Wagenzahl, darunter die Bahnhöfe mit Zeiten.

Gefahren wird nach Modellzeit mit beschleunigter Uhr, bei mir im Verhältnis 1:5. Eine Stunde auf der Karte dauert also zwölf Minuten in echt. Damit werden die viel zu kurzen Strecken zwischen den Bahnhöfen halbwegs glaubwürdig.

Susanne, wenn du die Seiten mal durchgearbeitet hast: Mich würde interessieren, wie lang die Aufenthalte der Nahgüterzüge in den Unterwegsbahnhöfen waren. Das schätzt man fast immer zu kurz.

Tom

Erst planen, dann sägen.


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22.12.2025 20:59
#4
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Bei uns lag das Heft aufgeschlagen in einem Halter im Führerhaus, mit einer kleinen abgeschirmten Lampe darüber. Die Strecke kannte man nach ein paar Jahren auswendig, jeden Bogen und jede Steigung. Aufgeschlagen wurde trotzdem, das war Vorschrift, und bei einer Kontrolle hat der Aufsichtsbeamte als Erstes dorthin geschaut.

Dazu kam ein zweites Heft mit den vorübergehenden Langsamfahrstellen, weil irgendwo immer gebaut wurde. Das musste man vor jeder Schicht durchgehen. Wer das vergaß, hat es spätestens an der ersten Baustelle bereut.

Gruß, Karl

H0e und H0m · Harzer Schmalspur seit Jahrzehnten


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23.12.2025 00:54
#5
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Herzlichen Glückwunsch zu dem Fund! Zur Aufbewahrung: Solche Dienstdrucksachen sind auf einfachem, holzhaltigem Papier gedruckt und vergilben schnell. Leg das Heft flach in einen säurefreien Umschlag oder eine Archivmappe, und zwar ohne Klarsichthülle.

Und falls du Geschmack daran findest: Alte Kursbücher sind eine völlig unterschätzte Lektüre. Man kann darin reisen. Ich habe schon ganze Winterabende damit verbracht, mit dem Finger auf der Übersichtskarte eine Verbindung von Münster an den Bodensee im Jahr 1962 herauszusuchen, mit allen Umstiegen.

Herzliche Grüße, Karin

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


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23.12.2025 23:17
#6
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Vielen Dank, jetzt ergibt alles einen Sinn. Ich habe über die Feiertage die erste Seite komplett entschlüsselt: ein Nahgüterzug mit einer Lok der Baureihe 50, 650 Tonnen Last, Höchstgeschwindigkeit 65 km/h.

Und für Tom: Die Aufenthalte in den Unterwegsbahnhöfen liegen zwischen 12 und 35 Minuten. In einem Bahnhof steht der Zug sogar 48 Minuten, vermutlich wegen einer Kreuzung mit einem Personenzug. Für rund 40 Kilometer braucht er insgesamt fast drei Stunden.

Das Heft liegt inzwischen flach und säurefrei verpackt. Und ein Kursbuch von 1965 ist schon unterwegs zu mir. Karin, du bist schuld.

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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24.12.2025 07:59
#7
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Fast drei Stunden für 40 Kilometer, 48 Minuten Kreuzungsaufenthalt. Genau das meinte ich. Danke, Susanne, das wandert direkt in meinen nächsten Fahrplan – und der Lokführer des Nahgüterzugs bekommt eine Thermoskanne auf die Karte gedruckt.

Erst planen, dann sägen.


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