Zentrale für den Einstieg: Kriterien statt Markennamen
#1
Moin,
meine Nebenbahn-Segmente sind so weit, dass bald Strom aufs Gleis soll. Bisher fahre ich analog mit einem alten Fahrregler. Jetzt steht die Entscheidung für eine Digitalzentrale an, und mein Studentenbudget ist überschaubar.
Ich will hier ausdrücklich keine Markendiskussion lostreten. Mich interessiert: Nach welchen Kriterien sucht man eine Zentrale aus? Was braucht man wirklich, was ist nett, was merkt man erst nach zwei Jahren?
Und die Bastlerfrage hinterher: Ich habe Mikrocontroller und Motortreiber in der Schublade. Ist eine selbst gebaute DCC-Zentrale für eine kleine Anlage mit zwei, drei Loks eine vernünftige Idee oder eine Schnapsidee?
Nils
#2
Moin Nils,
meine Kriterienliste, nach Wichtigkeit:
- Ausgangsstrom: Für H0 mit zwei, drei Loks reichen 2 bis 3 A. Mehr ist kein Vorteil, eher im Gegenteil.
- Getrennter Programmiergleisausgang mit Auslesen von CVs.
- Schnittstelle zum PC (USB oder Netzwerk), auch wenn du sie anfangs nicht nutzt.
- Rückmeldebus: Welche Melder lassen sich anschließen?
- Bedienung: Drehregler oder Touch, weitere Handregler nachrüstbar, per Kabel oder Funk?
- Kurzschlussabschaltung: schnell und zuverlässig.
- Software-Updates durch den Anwender.
Zum Selbstbau: keine Schnapsidee. Mit Mikrocontroller und einem ordentlichen Motortreiber bekommst du ein sauberes DCC-Signal hin, und man lernt enorm viel dabei. Zwei Bedingungen: ein geprüftes Netzteil mit passender Spannung (für H0 etwa 15 bis 16 V) und eine Strommessung, die bei Kurzschluss wirklich abschaltet.
Gruß, Dirk
#3
Mein Rat ist, vom Ende her zu denken. Frag dich, wie du in drei Jahren fahren willst.
Wenn die Antwort „mit Handregler, alles von Hand“ lautet, zählt vor allem die Bedienung, dann nimm das Gerät, das dir in der Hand am besten liegt.
Wenn du irgendwann Fahrstraßen, Blockbetrieb oder einen Fahrplan per PC möchtest, zählen Schnittstelle und Rückmeldung. Dann ist die Zentrale im Grunde nur noch ein Übersetzer zwischen Rechner und Gleis, und ein schlichtes Gerät ohne großes Display genügt.
Vieles andere lässt sich nachrüsten, ein fehlender Rückmeldeeingang oder eine fehlende PC-Schnittstelle nur mit Umwegen.
Viele Grüße, Susanne
#4
Aus der Schulpraxis ein Kriterium, das in keinem Datenblatt steht: Wie robust und wie verständlich sind die Handregler? In der AG bedienen Zwölfjährige die Anlage. Bewährt hat sich ein Regler mit echtem Drehknopf, wenigen Tasten und einer deutlichen Nothalt-Taste. Menüs mit drei Ebenen überleben bei uns keine Doppelstunde.
Und: mindestens zwei Regler einplanen. Modellbahn zu zweit macht mehr Spaß, das gilt auch für Erwachsene.
Beste Grüße, Thorsten
#5
Kurzer Zwischenruf vom Forenteam: Danke, Nils, für die Art der Fragestellung, und danke an alle, dass es bei Kriterien bleibt. Genau so wünschen wir uns das. Wer mit einem bestimmten Gerät gute Erfahrungen gemacht hat, darf das selbstverständlich sagen, nur bitte ohne die Geräte anderer schlechtzureden.
Weitermachen. :)
Uwe
#6
Für alle Gartenbahner, die hier mitlesen: Bei Spur G sieht die Rechnung anders aus als bei Dirk. Eine große Lok mit Zug zieht schnell 1,5 bis 2 A, die Gleisspannung liegt höher, meist um 20 bis 22 V. Unter 5 A braucht man draußen gar nicht anzufangen. Also vor dem Kauf prüfen, ob Zentrale und Netzteil für die große Spur gedacht sind.
Drinnen bei euch ist das alles viel zierlicher. Dafür regnet es bei euch auch nicht auf die Weichen.
Gerd vom Gartengleis
#7
Super, damit kann ich arbeiten. Mein Plan sieht jetzt so aus:
Für die Testphase baue ich die Zentrale selbst, mit Strommessung und Abschaltung, wie Dirk schreibt. Gehäuse kommt aus dem Drucker. Damit lerne ich das Protokoll kennen und kann die ersten Decoder einstellen.
Für später spare ich auf ein Gerät mit PC-Schnittstelle und Rückmeldebus, denn ein Fahrplanbetrieb auf der Nebenbahn reizt mich schon.
Eine Frage noch an Dirk: Welche Abschaltschwelle würdest du für die Eigenbau-Zentrale nehmen?
#8
Bei zwei, drei kleinen H0-Loks: Abschalten bei 1,5 A, Ansprechzeit im Bereich weniger Millisekunden, aber mit kurzer Toleranz für Einschaltströme, sonst löst jeder Sounddecoder mit Pufferspeicher beim Aufgleisen aus. Nach dem Abschalten nicht sofort automatisch wieder einschalten, sondern mit einer Pause von ein bis zwei Sekunden.
Und teste die Abschaltung, bevor die erste Lok aufs Gleis kommt: Münze quer über beide Schienen, an mehreren Stellen der Anlage. Schaltet die Zentrale nicht überall ab, sind die Zuleitungen zu dünn.
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