Reisebericht: zwei Tage Albula und Bernina

02.09.2026 09:12
#1
avatar

Hallo ihr Lieben,

wir sind seit ein paar Tagen zurück aus Graubünden, und ich muss das loswerden, solange die Eindrücke frisch sind.

Tag 1, Albula: Von Chur hinauf Richtung St. Moritz. Der erste Höhepunkt kommt kurz vor Filisur: das Landwasserviadukt. 65 Meter hoch, im Bogen gebaut, und am Ende fährt der Zug direkt von der Brücke in eine Tunnelröhre in der Felswand. Zwischen Bergün und Preda schraubt sich die Strecke dann mit Kehrtunneln und Schleifen den Hang hinauf. Man sieht das eigene Gleis mehrmals unter sich liegen und verliert völlig die Orientierung.

Tag 2, Bernina: Von St. Moritz nach Tirano. Oben am Ospizio Bernina ist man auf 2.253 Metern, neben dem milchig-hellen Lago Bianco. Dann geht es über Alp Grüm mit Gletscherblick hinunter ins Puschlav und kurz vor dem Ziel über das Kreisviadukt von Brusio. Alles ohne Zahnstange, bei Steigungen bis 70 Promille.

Mein Tipp: die ganz normalen Regionalzüge nehmen. In einigen Wagen ließen sich bei uns die Fenster öffnen, zum Fotografieren ohne Spiegelung unbezahlbar.

Liebe Grüße, Anna

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


 Antworten

 Beitrag melden
02.09.2026 10:23
#2
avatar

Servus Anna, da werd ich neidisch. Das Landwasserviadukt hängt bei mir als Poster über der Werkbank, weil ich für meine Gebirgsanlage gerade ein Bogenviadukt in der Kurve plane.

Hast du dir gemerkt, wie viele Bögen es hat und wie eng die Kurve ungefähr ist? Auf Bildern täuscht das immer.

Gebirgsanlage H0 · Epoche V · Viadukte im Bau


 Antworten

 Beitrag melden
02.09.2026 14:18
#3
avatar

Sechs Bögen, und die Kurve ist wirklich eng: Der Radius liegt bei nur 100 Metern. Das Mauerwerk ist aus dunklem Kalkstein, deutlich dunkler, als ich es von Fotos in Erinnerung hatte. Im Abendlicht wirkt es fast schwarz gegen den Wald.

Unten im Tal gibt es einen ausgeschilderten Aussichtspunkt, von dem man das Viadukt samt Tunnelportal in Ruhe ansehen kann. Wir haben dort drei Züge abgewartet. Mein Mann behauptet, es waren fünf.

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


 Antworten

 Beitrag melden
03.09.2026 07:43
#4
avatar

Schöner Bericht. Bei den Kehrtunneln horche ich natürlich auf, das ist ja bei uns an der Schwarzwaldbahn das gleiche Prinzip: Wenn das Tal zu steil ansteigt, verlängert man die Strecke künstlich mit Schleifen und Tunneln, damit die Steigung für normale Loks fahrbar bleibt. Bei uns sind es zwei große Kehrschleifen rund um Triberg und knapp 40 Tunnel entlang der Strecke.

Im Modell ist das übrigens ein dankbares Thema, weil die Kehrschleifen die Höhe bringen, ohne dass man eine Gleiswendel verstecken muss. Die Strecke bleibt sichtbar und kommt mehrmals durchs Bild.

Grüße, Bernd

Schwarzwaldbahn in H0 · Kehrtunnel im Bau


 Antworten

 Beitrag melden
08.09.2026 22:19
#5
avatar

Danke fürs Mitnehmen, Anna! Zwei Fragen von jemandem, der so eine Reise sauber planen möchte:

  • Reichen zwei Tage wirklich, oder habt ihr etwas vermisst?
  • Auf welcher Seite sitzt man am besten?

Kleine Randnotiz aus meiner Ecke: Unsere Höllentalbahn war auf dem Steilstück früher sogar Zahnradbahn, bis in die 1930er Jahre. Mit 55 Promille gehört sie bis heute zu den steilsten Hauptbahnen in Deutschland. Aber 70 Promille ohne Zahnstange ist schon noch mal eine andere Nummer.

Viele Grüße, Nadine

Spur N · Epoche IV/V · wenig Platz, viel Strecke


 Antworten

 Beitrag melden
09.09.2026 07:45
#6
avatar

Zwei Tage reichen für die beiden Strecken, aber dann sitzt man wirklich nur im Zug. Mit einem dritten Tag könnt ihr unterwegs aussteigen – Bergün und Alp Grüm lohnen sich beide – und einen Zug später weiterfahren.

Zur Seite: Auf der Bernina Richtung Süden würde ich rechts sitzen, da hat man Seen und Gletscher länger im Blick. Ehrlich gesagt bin ich aber die halbe Fahrt zwischen den Fenstern hin- und hergelaufen. Die Mitreisenden haben es mit Fassung getragen.

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


 Antworten

 Beitrag melden
09.09.2026 09:14
#7
avatar

Ein wunderbarer Bericht, liebe Anna. Wer danach Lust auf mehr hat: In vielen Stadtbibliotheken stehen ältere Streckenführer zu den Alpenbahnen, mit Längsprofilen und Kilometerangaben. Mit so einem Heft auf dem Schoß fährt man die Strecke gleich doppelt – einmal im Zug und einmal auf dem Papier.

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


 Antworten

 Beitrag melden
09.09.2026 12:44
#8
avatar

70 Promille ohne Zahnrad! Das schafft meine Gartenbahn auch – allerdings nur bergab und mit anschließender Bergung aus dem Lavendel.

Spur G · draußen bei jedem Wetter


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!