Fokus-Stacking auf der Anlage – so gehe ich vor
#1
Hallo zusammen,
weil ich öfter gefragt werde, wie meine Anlagenfotos von der Pufferbohle bis zur Hintergrundkulisse scharf werden: Das ist kein teures Objektiv, sondern Fokus-Stacking. Man macht mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfeebene und lässt sie von einer Software zu einem Bild verrechnen.
Mein Ablauf:
- Kamera aufs Stativ oder auf einen Sandsack direkt auf der Anlage
- alles manuell: Belichtung, Weißabgleich, Fokus
- Blende 8 – nicht weiter schließen, sonst wird durch Beugung alles weich
- auf den vordersten Punkt scharf stellen, auslösen, ein kleines Stück nach hinten fokussieren, auslösen, und so weiter bis zum Hintergrund
- je nach Szene 8 bis 25 Aufnahmen
- Kamera währenddessen nicht berühren, am besten per Fernauslöser oder Selbstauslöser
Die Software richtet die Bilder aus und nimmt aus jedem nur die scharfen Bereiche. Das Ergebnis wirkt, als stünde man selbst im Maßstab 1:87 am Gleis.
Fragen gern hier rein.
LG Lisa
#2
Darauf habe ich gewartet! In Spur N ist die Schärfentiefe wirklich brutal. Wenn ich nah an einen Zug herangehe, ist die Lok scharf und der zweite Wagen schon Brei.
Meine Regalanlage ist an der tiefsten Stelle 40 cm tief. Wie viele Aufnahmen brauche ich ungefähr, und woher weiß ich, wie groß die Schritte sein müssen?
#3
Das hängt vor allem vom Abstand zum vordersten Motiv ab. Je näher, desto dünner ist die scharfe Scheibe pro Bild und desto mehr Aufnahmen brauchst du. Vorn müssen die Schritte klein sein, nach hinten dürfen sie größer werden.
So finde ich die Schrittweite: In der Lupenansicht auf dem Display schaue ich, wo die Schärfe des letzten Bildes gerade aufhört, und stelle auf einen Punkt kurz davor scharf. Die Bereiche müssen sich überlappen, sonst gibt es im fertigen Bild unscharfe Streifen.
Bei 40 cm Tiefe in Spur N aus kurzer Distanz würde ich mit 15 bis 20 Aufnahmen rechnen. Lieber fünf zu viel als eine zu wenig, es kostet ja nichts.
#4
Wer das öfter macht, kann es automatisieren. Viele neuere Kameras haben eine Fokusreihen-Funktion im Menü: Startpunkt, Schrittweite und Anzahl einstellen, und die Kamera fährt die Reihe selbst ab.
Meine Kamera kann das nicht, also habe ich mir einen Makroschlitten mit Schrittmotor gebaut. Ein kleiner Mikrocontroller fährt die Kamera in 0,5-mm-Schritten vor, wartet zwei Sekunden, bis nichts mehr schwingt, und löst über das Fernauslöserkabel aus. Dreißig Aufnahmen laufen durch, während ich Kaffee hole.
War ein Wochenendprojekt. Vollkommen übertrieben. Würde ich wieder so machen.
Dirk
#5
Dirks Schlitten will ich nachbauen, die Führung könnte ich drucken. :)
Frage an Lisa: Was ist mit Dingen, die sich während der Reihe bewegen oder verändern? Ich denke an flackernde Feuerbüchsen-LEDs oder den Rauchgenerator. Und stört es, wenn ich neben der Anlage stehe?
#6
Alles, was sich bewegt, macht die Reihe kaputt. Rauch geht gar nicht, den verrechnet die Software zu grauem Matsch. Flackernde LEDs schalte ich für die Reihe auf Dauerlicht oder aus.
Und ja, du störst. ;) Auf einem Holzboden reicht es, das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern, und die Anlage bewegt sich um Bruchteile eines Millimeters. Also: auslösen, stillstehen, weiter.
Was trotzdem fast immer bleibt, sind kleine helle Säume an Kanten vor weit entferntem Hintergrund, zum Beispiel an einem Signalmast vor der Kulisse. Die stemple ich von Hand aus dem passenden Einzelbild zurück. Fünf Minuten Arbeit pro Bild.
#7
Hab's am Wochenende an meinem Güterschuppen ausprobiert, zwölf Aufnahmen, Kamera auf einem Reissäckchen.
Ergebnis: gestochen scharf von vorn bis hinten. Leider. Man sieht jetzt jede Stelle, an der der Schotter nicht bis an die Schwelle reicht, jeden Leimglanz und ein Grasbüschel, das waagerecht in der Luft hängt. Fokus-Stacking ist gnadenlos.
Ich geh dann mal nachschottern.
Servus, Hans
#8
Erster Versuch geglückt: 18 Aufnahmen, Triebwagen auf der Brücke, scharf vom vorderen Brückengeländer bis zum Tunnelportal dahinter. Ich bin begeistert, so habe ich meine Anlage noch nie gesehen.
Und wie bei Hans gibt es auch bei mir Nebenwirkungen. Ich weiß jetzt, dass ein Oberleitungsmast schief steht. Danke, Lisa – glaube ich. :D
Viele Grüße, Nadine
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