Gartenbahn hinterm Haus: Saisonstart und neuer Streckenast zum Teich
#1
Moin zusammen,
die Forsythien blühen, also beginnt bei mir die Bahnsaison. Zeit, die Anlage mal vorzustellen – sie steht nicht im Keller, sondern liegt im Garten.
Spur G, bisher ein Rundkurs von 42 m Länge mit einem dreigleisigen Bahnhof an der Terrasse. Messinggleis, kleinster Radius 1,20 m, größte Steigung 2 %. Gefahren wird überwiegend mit Akku und Funk, sonntags bei schönem Wetter auch mit Echtdampf.
Nach dem Winter stand wie jedes Jahr die Streckenbegehung an: An zwei Stellen hat der Frost das Gleis gehoben, eine Weichenlaterne hat der Sturm geholt, und im Tunnel wohnte ein Igel. Der durfte bleiben, bis er von selbst ausgezogen ist.
Das Projekt für dieses Jahr: ein neuer Streckenast von 18 m hinunter zum Teich, mit einer Brücke über den Bachlauf. Ich berichte, wie es vorangeht.
Gruß, Gerd
#2
Hallo Gerd,
ein Igel als Tunnelbewohner, das schlägt jede Modellfigur. :)
Mich als Kellerbahner interessiert die Elektrik: Wie hältst du draußen den Kontakt zwischen den Schienen? Bei mir im trockenen Keller oxidiert schon alles, wenn ich drei Wochen nicht fahre. Regen, Frost und Erde müssen doch der reine Albtraum für Schienenverbinder sein.
Gruß, Willi
#3
Moin Willi,
genau deswegen fahre ich fast nur noch mit Akku. Die Loks haben den Strom an Bord, das Gleis ist nur noch Fahrweg, und ob die Schiene blank oder braun ist, spielt keine Rolle mehr. Braun sieht sogar besser aus.
Nur der Bahnhof an der Terrasse hat noch Gleisstrom für eine alte Lok ohne Akku. Dort sind die Stöße mit Schraubverbindern aus Messing geklemmt und mit einem Tropfen Kontaktfett versehen. Das hält seit sechs Jahren. Die einfachen Steckverbinder taugen draußen nur als Führung, da hast du völlig recht.
Gruß, Gerd
#4
Servus Gerd,
Brücke im Garten, da meldet sich der Zimmerer. Nimm Lärche oder Douglasie, unbehandelt, die vergraut schön und hält ohne Anstrich viele Jahre. Wichtig ist, dass kein Holz direkt auf der Erde liegt: Widerlager aus Stein oder Beton, das Holz mit etwas Luft darauf.
Alle Verbindungen mit Edelstahlschrauben, verzinkte rosten in der Gerbsäure der Lärche und hinterlassen schwarze Fahnen. Wie lang soll die Brücke werden?
#5
Bericht von der Baustelle: Der Graben für den neuen Ast ist ausgehoben, 18 m lang, 20 cm breit und 15 cm tief. Unten liegt Unkrautvlies, darauf Splitt in der Körnung 2 bis 5 mm, lagenweise eingefüllt und festgestampft. Das Gleis schwimmt darin wie beim Vorbild und kann sich bei Hitze ausdehnen. An heißen Tagen wird so ein Messinggleis auf 18 m gut einen Zentimeter länger, deshalb bleibt an jedem zweiten Stoß ein kleiner Spalt.
Martin, die Brücke wird 1,60 m lang, eine Fachwerkbrücke aus Lärchenleisten 15 x 15 mm, verschraubt in Edelstahl, wie du geraten hast. Die Widerlager sind aus alten Granitpflastersteinen gesetzt. Meine Frau meint, es sei die solideste Brücke im ganzen Landkreis.
#6
Servus Gerd,
ich schotter ja sonst mit der Pipette, da ist deine Schubkarre eine andere Liga. :D
Frage aus Neugier: Fixierst du den Splitt irgendwie, oder liegt der lose? Wenn es bei uns in Regensburg einen Wolkenbruch gibt, wäre bei mir alles im Rasen.
Gruß, Hans
#7
Moin Hans,
der liegt lose, und das ist Absicht. Gebrochener Splitt verkeilt sich von selbst, wenn man ihn feststampft, runder Kies würde wandern. Wasser läuft einfach durch und versickert unten im Graben, deshalb gibt es auch kaum Frostschäden.
An der Böschung zum Teich habe ich seitlich Rasenkantensteine gesetzt, damit dort nichts abrutscht. Nachschottern muss ich trotzdem jedes Frühjahr, etwa zwei Eimer auf die ganze Strecke. Amseln sind die größten Feinde des Gleisbaus, die werfen den Splitt auf der Suche nach Würmern meterweit.
#8
Hallo Gerd,
Echtdampf im Garten, da werde ich hellhörig. Wie lange fährt deine Maschine mit einer Kesselfüllung, und speist du unterwegs nach?
Bei uns auf der großen Bahn galt: Ein Lokführer schaut öfter aufs Wasserstandsglas als auf die Uhr. Mein alter Heizer hat immer gesagt, zu viel Wasser habe noch keinem Kessel geschadet, zu wenig schon. Das gilt im Kleinen vermutlich genauso.
Gruß, Karl
#9
Moin Karl,
dein Heizer hatte recht, das gilt eins zu eins. Meine kleine Zweikuppler-Dampflok fährt mit einer Füllung etwa 25 Minuten. Nachgespeist wird im Stand über eine Handpumpe im Tender, und das Wasserstandsglas ist das Erste, wo ich hinschaue, wenn sie am Bahnhof hält.
Zum Stand der Dinge: Der neue Ast ist fertig! Die Brücke liegt, das Gleis ist bis zum Teich verlegt und endet dort in einem Umsetzgleis mit kleinem Haltepunkt. Entlang der Strecke habe ich Thymian, Sternmoos und ein paar Zwergkoniferen gepflanzt, die bleiben maßstäblich klein und müssen nicht gemäht werden. Die Eröffnungsfahrt hat die Dampflok bekommen, mit zwei Personenwagen und der Nachbarschaft als Publikum.
#10
Sehr geehrter Gerd,
Ihren – deinen, Verzeihung – Bericht habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Er hat mich an meine Kindheit erinnert: Mein Vater hat uns im Sommer 1957 die Blechbahn auf einem Brett im Hof aufgebaut, und wir haben die Uhrwerklok durch das Gras fahren lassen, bis die Feder müde war.
Dass heute jemand eine richtige Strecke mit Brücke, Bahnhof und echtem Dampf durch seinen Garten führt, hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Meinen Glückwunsch zur Eröffnung des Teichastes.
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