Wie seid ihr eigentlich zur Modellbahn gekommen?

05.05.2026 07:19
#1
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Hallo zusammen,

ich lese hier seit ein paar Wochen mit und frage mich bei vielen von euch: Wie hat das eigentlich angefangen?

Bei mir war es so: Mein Opa hat im Winter seinen Keller aufgeräumt und mir einen Karton in die Hand gedrückt. Drin waren eine Startpackung in H0 mit einer kleinen Tenderlok, drei Wagen, ein Gleisoval und ein Trafo. "Die hast du mit fünf schon fahren lassen", meinte er. Ich konnte mich nicht erinnern, aber als die Lok nach zwanzig Jahren im Karton tatsächlich losgeruckelt ist, war es um mich geschehen. Jetzt liegt das Oval auf einer Platte in meinem WG-Zimmer, und ich lerne jeden Tag, was ich alles nicht weiß.

Und bei euch? Weihnachtsgeschenk, Erbstück, Zufall?

Gruß, Ben

Anfänger mit großen Plänen


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05.05.2026 23:08
#2
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Tach Ben,

schöne Geschichte, und dein Opa hat alles richtig gemacht.

Bei mir war es Weihnachten 1966. Unterm Baum lag ein Gleiskreis mit Mittelleiter, darauf eine dreiachsige Tenderlok und zwei Personenwagen. Mein Vater hat den Trafo angeschlossen und dann bis Mitternacht selbst gespielt, ich durfte zugucken. So richtig meins wurde die Bahn erst, als ich in der Lehre gelernt habe, wie man einen Schaltplan liest. Seitdem sind 40 Jahre Anlagenbau zusammengekommen, drei Umzüge und eine Ehefrau, die das alles mit Humor nimmt.

Gruß, Willi

H0 Dreileiter · Epoche III · analog angefangen, digital angekommen


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06.05.2026 21:56
#3
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Lieber Ben,

bei mir war es andersherum: erst die große Bahn, dann die kleine. Ich bin mit 16 als Lehrling zur Bahn gekommen, habe als Heizer angefangen und bin später jahrzehntelang auf der Schmalspur gefahren. Eine Modellbahn hatte ich als Kind nicht, dafür war kein Geld da.

Erst als die Pensionierung näher rückte, hat mir meine Tochter eine kleine H0e-Lok geschenkt, "damit du was zu tun hast". Seitdem baue ich mir die Bahnhöfe nach, in denen ich früher Wasser genommen habe. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich im Keller vor der Abfahrt auf die Uhr sehe.

Es grüßt aus dem Harz
Karl

H0e und H0m · Harzer Schmalspur seit Jahrzehnten


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06.05.2026 22:41
#4
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Hallo Ben,

ich bin über den Beruf dazugekommen. Als Bauzeichnerin habe ich für ein Projekt alte Bahnhofspläne digitalisiert und fand die Gleisanlagen spannender als die Gebäude. Zu Hause habe ich dann aus Neugier angefangen, einen Bahnhof im Maßstab 1:160 aufzuzeichnen – und irgendwann wollte ich wissen, ob das auch funktioniert.

In meiner Wohnung ist nur Platz für ein Regal von 2,40 m x 35 cm, deshalb Spur N. Die erste Lok habe ich mir vor acht Jahren selbst zum Geburtstag geschenkt.

Viele Grüße
Nadine

Spur N · Epoche IV/V · wenig Platz, viel Strecke


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07.05.2026 07:45
#5
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Glück auf Ben,

bei mir war's der Zechenbahnhof hinter dem Haus meiner Oma. Als Kind hab ich am Zaun gestanden und zugeguckt, wie die Dieselloks die Kohlenwagen verschoben haben, und Oma hat geschimpft, weil die Wäsche schwarz wurde. Dampf gab es da längst nicht mehr, aber mein Onkel hatte Fotos und Geschichten.

Die erste eigene Bahn kam mit zehn, lag dann zwanzig Jahre im Keller und wurde wieder ausgepackt, als ich bei der Museumsbahn angefangen habe. Wer einmal eine echte Dampflok abgeölt hat, will das auch in klein.

Holger

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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08.05.2026 12:19
#6
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Guten Abend Ben,

meine Geschichte beginnt 1955 vor dem Schaufenster eines Spielwarengeschäfts in der Würzburger Innenstadt. Dort fuhr in der Adventszeit eine Blechbahn im Kreis, und ich habe mir als Sechsjähriger die Nase an der Scheibe plattgedrückt. Bekommen habe ich sie nie, meine Eltern hatten andere Sorgen.

Vielleicht sammle ich deshalb heute genau diese Modelle. Die erste Lok von der Art, wie sie damals im Schaufenster fuhr, habe ich mit vierzig auf einem Flohmarkt gefunden, verbeult und ohne Motor. Sie läuft inzwischen wieder und steht in der Vitrine auf Augenhöhe.

Dein Großvater hat dir also mehr geschenkt als einen Karton, wenn ich das so sagen darf.

Mit Sammlergruß
Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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08.05.2026 17:36
#7
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Hallo Ben,

ich bin in Dresden aufgewachsen, da war TT gewissermaßen gesetzt: Die Spur passte auf den Küchentisch und in die Neubauwohnung. Mein Vater und ich haben jedes Jahr im November die Platte unter dem Bett hervorgeholt und nach Weihnachten wieder weggeräumt.

Später im Physikstudium habe ich gemerkt, dass man an einer Modellbahn fast alles erklären kann: Stromkreise, Reibung, Getriebeübersetzungen, sogar Regelungstechnik. Deshalb gibt es an meiner Schule seit sechs Jahren eine Modellbahn-AG. Mittwochs, siebte und achte Stunde, zwölf Schüler und ein Lehrer, der eigentlich nur selbst spielen will.

Beste Grüße
Thorsten

TT ist die Spur der Mitte.


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08.05.2026 22:19
#8
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Hey Ben,

bei mir war es die Kamera. Ich habe in der Ausbildung für ein Fotoprojekt einen alten Lokschuppen bei Leipzig fotografiert – abgeblätterte Farbe, Rost, Öl auf dem Boden, herrlich. Danach wollte ich diese Oberflächen im Kleinen nachbauen und habe mir einen gebrauchten Güterwagen gekauft, nur um ihn dreckig zu machen.

Dass man die Dinger auch fahren lassen kann, habe ich erst später ernst genommen. :D Inzwischen habe ich eine kleine Anlage, aber am liebsten sitze ich immer noch mit der Airbrush am Tisch.

LG Lisa

Patina statt Plastikglanz.


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09.05.2026 17:04
#9
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Moin Ben,

ich bin durch einen Kunden dazugekommen. Der wollte vor gut 15 Jahren eine Gartenbahn im Staudenbeet und fragte, ob ich als Gärtner das Planum und die Entwässerung machen könnte. Hab ich gemacht, mit Schotterbett und allem. Als der erste Zug zwischen den Funkien durchfuhr, stand ich mit offenem Mund daneben.

Ein halbes Jahr später lag bei mir zu Hause das erste Gleis. Der Rasen ist seitdem kleiner geworden, der Garten schöner.

Gerd

Spur G · draußen bei jedem Wetter


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10.05.2026 18:56
#10
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Hallo Ben,

bei mir waren es die Bücher. In unserer Bibliothek stand lange ein ganzes Regal mit Eisenbahnliteratur, das kaum jemand auslieh. Beim Aussortieren bin ich an einem Band über Kleinlokomotiven hängen geblieben und habe ihn in einer Mittagspause durchgelesen. Diese kleinen, unscheinbaren Maschinen, die auf jedem Landbahnhof die eigentliche Arbeit gemacht haben – das hat mich gerührt.

Die erste Köf im Modell kam kurz darauf, eine Anlage erst Jahre später. Lesen tue ich immer noch mehr als bauen.

Herzliche Grüße
Karin

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


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11.05.2026 00:38
#11
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Hallo Ben,

ganz unromantisch: über einen Mikrocontroller. Ich wollte vor Jahren ein Bastelprojekt, bei dem sich am Ende etwas bewegt, und habe eine Weichensteuerung für die alte Bahn meines Neffen gebaut. Dann wollte ich verstehen, wie das Digitalsignal auf dem Gleis aussieht, habe es mir mit dem Oszilloskop angeschaut – und saß drei Wochen später mit einer eigenen Zentrale da.

Die Loks kamen bei mir also nach den Decodern. Ich gebe zu, dass ich manche Lok nur gekauft habe, weil mich ihre Schnittstelle interessiert hat.

Dirk

CV 29 ist kein Hexenwerk.


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13.05.2026 08:42
#12
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Hallo Ben,

bei mir war es eine Reise. Ich bin mit Anfang zwanzig zum ersten Mal mit der Schmalspurbahn über einen Alpenpass gefahren, im offenen Aussichtswagen, und war so begeistert, dass ich am Zielbahnhof im Andenkenladen einen kleinen roten Triebwagen im Modell gekauft habe. Der stand jahrelang nur auf dem Regal.

Irgendwann hat mein Freund gefragt, ob der auch fahren kann. Konnte er. Jetzt gibt es eine H0m-Anlage mit Kehrtunnel und Viadukt auf 1,80 m x 90 cm – und immer noch jedes Jahr eine Bahnreise.

Liebe Grüße vom Bodensee
Anna

Schmalspur H0m · Bahnreisen in die Berge


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13.05.2026 08:56
#13
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Wow, danke euch allen! Vom Schaufenster 1955 bis zum Oszilloskop ist ja wirklich alles dabei.

Karl, die Stelle mit dem Blick auf die Uhr vor der Abfahrt habe ich meinem Opa vorgelesen. Er hat gelacht und gemeint, er komme demnächst vorbei und schaue, ob ich die Lok auch ordentlich behandle.

Ich glaube, ich bin hier richtig.

Ben

Anfänger mit großen Plänen


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