Bildbearbeitung: Wo hört Optimieren auf, wo fängt Schummeln an?

27.08.2026 11:12
#1
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Hallo zusammen,

ich sitze an den Bildern vom Sommer und stelle mir eine Grundsatzfrage. Mein üblicher Ablauf am Rechner:

  • Aufnahme im Rohformat, daraus entwickeln
  • Horizont gerade richten, stürzende Linien an Gebäuden korrigieren
  • Tiefen aufhellen, damit das Fahrwerk schwarzer Loks nicht absäuft
  • leicht nachschärfen, fertig

Damit habe ich kein Problem, das hat man in der Dunkelkammer im Prinzip auch gemacht.

Jetzt habe ich aber ein Bild, auf dem ein Oberleitungsmast genau vor der Loknummer steht. Mit dem Stempelwerkzeug wäre er in zehn Minuten weg. Und der fade Himmel ließe sich auch gegen einen schöneren tauschen.

Wo zieht ihr die Grenze? Ist das noch Eisenbahnfotografie oder schon Malerei?

Jürgen

Niete gezählt, Welt in Ordnung.


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28.08.2026 16:13
#2
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Ich mache das beruflich, deshalb bin ich da wenig dogmatisch. Für mich hängt alles am Zweck.

Ist das Bild ein Dokument, soll es also zeigen, wie etwas war, dann bleibt alles drin. Ist es ein Bild für die Wand, darf man gestalten.

Bei meinen Modellfotos retuschiere ich ganz offen: Staub, die Anlagenkante, ein Kabel, das aus dem Gebüsch schaut. Und der Himmel hinter der Anlage ist oft nachträglich eingesetzt, weil meine Kellerwand nun mal weiß ist.

Meine einzige Regel: dazuschreiben. Wer ein bearbeitetes Bild als unbearbeitet ausgibt, schummelt. Wer sagt, was er gemacht hat, gestaltet.

LG Lisa

Patina statt Plastikglanz.


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28.08.2026 20:07
#3
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Aus Sammlersicht möchte ich einen dritten Fall beisteuern: das Foto als Zustandsbeschreibung. Wenn ich ein altes Modell für mein Verzeichnis ablichte oder einem Tauschpartner zeige, wird nichts geschönt. Jeder Kratzer, jede Lackabplatzung und jede nachlackierte Stelle muss zu sehen sein, bei neutralem Licht und ohne Filter.

Hier ist die geschönte Aufnahme nicht Malerei, sondern schlicht unredlich. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Mit freundlichem Gruß, Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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29.08.2026 08:17
#4
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Darf ich die Sicht der Archivarin ergänzen? Für mich ist die wichtigste Regel eine technische: Die Originaldatei bleibt unangetastet. Bearbeitet wird immer nur eine Kopie.

Und bitte beschriftet eure Bilder. Datum, Ort, Zug oder Loknummer, in den Dateiinformationen oder wenigstens im Dateinamen. Ein unbearbeitetes Foto ohne Angaben ist in dreißig Jahren fast wertlos. Ein bearbeitetes mit sauberen Angaben und dem Original daneben ist ein Schatz.

Der Mast vor der Loknummer ist übrigens selbst eine Information: Er zeigt, dass die Strecke an diesem Tag elektrifiziert war.

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


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30.08.2026 12:45
#5
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Für Planungszwecke sehe ich es wie Karin. Wenn ich Vorbildfotos als Grundlage für einen Gleisplan auswerte, brauche ich sie unbearbeitet und möglichst langweilig: Mast, Schaltkasten, Kabelkanal, alles drin. Genau die Dinge, die man aus schönen Bildern entfernt, machen einen Bahnhof im Modell glaubwürdig.

Für die Wand darf es gern der bessere Himmel sein.

Tom

Erst planen, dann sägen.


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30.08.2026 13:10
#6
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Zitat von Köf-Karin
Die Originaldatei bleibt unangetastet. Bearbeitet wird immer nur eine Kopie.


Das unterschreibe ich sofort, und so halte ich es ab jetzt konsequent.

Der Mast bleibt drin. Er stand da nun mal, und ein Nietenzähler, der Masten wegzaubert, macht sich unglaubwürdig. Der Himmel bleibt auch. Dafür gehe ich im Oktober noch mal hin, bei besserem Wetter und zwei Schritte weiter links.

Jürgen

Niete gezählt, Welt in Ordnung.


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