Nebenbahn-Personenzug in Epoche III zusammenstellen – was ist stimmig?

01.09.2026 10:52
#1
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Moin,

für meine geplante Nebenbahn (Epoche III, DB, irgendwo zwischen 1958 und 1962) brauche ich einen glaubwürdigen Personenzug. Auf alten Aufnahmen sehe ich alles Mögliche: Zweiachser mit offenen Bühnen, dreiachsige Umbauwagen, mal mit Packwagen, mal ohne, mal hängen Güterwagen hintendran.

Was wäre denn eine typische Garnitur für eine Stichstrecke mit vielleicht 15 km Länge? Als Zuglok habe ich eine BR 64 im Auge. Platz für mehr als Lok plus drei bis vier Wagen habe ich nicht.

Und: Muss ich im Endbahnhof umsetzen, oder gab es da andere Lösungen?

Nils

Druckt, was es nicht zu kaufen gibt.


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01.09.2026 11:52
#2
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Hallo Nils,

mit der 64 liegst du goldrichtig, der „Bubikopf“ war die klassische Nebenbahnlok. Für deinen Zeitraum gibt es zwei stimmige Garnituren:

Die ältere: zwei bis drei Donnerbüchsen, also zweiachsige Einheitswagen aus den Zwanzigern mit offenen Bühnen, dazu ein zweiachsiger Packwagen. Lief bis weit in die Sechziger.

Die modernere: ein Pärchen dreiachsiger Umbauwagen. Die wurden ab 1954 auf den Fahrgestellen alter Länderbahnwagen aufgebaut und fuhren fast immer als kurzgekuppeltes Paar. Dazu wieder ein Packwagen oder ein Wagen mit Gepäckabteil.

Beides mischen ist auch belegt. Achte nur auf die Beschriftung: Ab 1956 gab es keine 3. Klasse mehr, die Wagen müssen also als 2. Klasse angeschrieben sein.

Gruß, Jürgen

Niete gezählt, Welt in Ordnung.


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01.09.2026 12:07
#3
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Zum Betrieb aus Fahrdienstleiter-Sicht:

Der Packwagen lief in der Regel direkt hinter der Lok. Im Endbahnhof wurde umgesetzt: Lok abkuppeln, vorziehen, über das Umfahrgleis ans andere Zugende, ankuppeln, Bremsprobe. Der Packwagen hing dann auf der Rückfahrt am Schluss – das hat auf der Nebenbahn niemanden gestört.

Die 64 als Tenderlok fuhr rückwärts genauso schnell wie vorwärts, eine Drehscheibe brauchst du also nicht. Ein Umfahrgleis mit zwei Weichen genügt.

Und die Güterwagen hinter dem Personenzug, die dir aufgefallen sind: Das war ein PmG, ein Personenzug mit Güterbeförderung. Unterwegs wurde rangiert, die Fahrgäste durften warten.

Gruß, Uwe

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01.09.2026 13:04
#4
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Da kann ich was beisteuern, wenn auch von der anderen Seite der Grenze und auf schmaler Spur. Bei uns hieß das GmP, Güterzug mit Personenbeförderung, und war auf vielen Strecken der Normalfall. Ich habe als junger Heizer erlebt, wie wir an einer Ladestelle zwanzig Minuten Wagen umgesetzt haben, während die Reisenden im Personenwagen saßen und die Stullen auspackten. Beschwert hat sich keiner. Man kannte den Lokführer ja, und der kannte jeden Fahrgast beim Namen.

Für die Modellbahn ist so ein gemischter Zug ein Geschenk: wenig Wagen, viel Betrieb.

Es grüßt Karl

H0e und H0m · Harzer Schmalspur seit Jahrzehnten


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01.09.2026 15:32
#5
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Das ist ja noch besser als gedacht. Ein PmG löst gleich zwei Probleme: Ich brauche keinen separaten Güterzug, und im Endbahnhof gibt es was zu tun.

Also: BR 64, Packwagen, ein Pärchen Dreiachser, dahinter ein bis zwei Güterwagen. Kommt der Güterwagen wirklich ans Zugende, oder zwischen Lok und Personenwagen?

Druckt, was es nicht zu kaufen gibt.


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01.09.2026 16:17
#6
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Beides kam vor, und es hing an der Heizung. Im Winter mussten die Personenwagen direkt hinter der Lok laufen, weil die Dampfheizleitung durchgekuppelt wurde – Güterwagen hatten in der Regel keine. Im Sommer hat man die Güterwagen gern vorn eingestellt, weil sich dann unterwegs leichter rangieren ließ, ohne die Reisenden mitzuschleppen.

Du kannst also je nach Jahreszeit auf deiner Anlage beides vertreten.

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01.09.2026 23:24
#7
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Als Zeitzeuge darf ich ergänzen: Ich bin in jenen Jahren als Schüler täglich mit einem solchen Zug gefahren. Die Donnerbüchsen trugen ihren Namen völlig zu Recht – auf den Bühnen verstand man sein eigenes Wort nicht. Im Winter drängte sich alles im Wageninneren um die Heizung, im Sommer standen wir Buben draußen auf der Plattform, was selbstverständlich verboten war.

Ein oder zwei Figuren auf der offenen Bühne wären also durchaus vorbildgerecht.

Mit freundlichem Gruß, Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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02.09.2026 08:31
#8
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Was für ein schönes Thema! Wer sich in die Stimmung solcher Züge einlesen möchte, wird in den Bildbänden über Nebenbahnen der Fünfziger- und Sechzigerjahre fündig, die es antiquarisch für kleines Geld gibt. Dort sieht man auch, wie kurz die Züge wirklich waren: Lok und zwei Wagen waren keine Seltenheit. Dein Platzproblem ist also gar keins, Nils, sondern Vorbildtreue.

Herzliche Grüße, Karin

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


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