Schweizer Schmalspur in H0m: Kreuzungsstation und Kreisviadukt übers Eck
#1
Hallo ihr Lieben,
seit meiner letzten Bahnreise durch Graubünden lässt mich eine Idee nicht mehr los, und jetzt wird sie gebaut: eine kleine H0m-Anlage nach Schweizer Vorbild, übers Eck im Wohnzimmer.
Form: ein L mit Schenkeln von 2,60 m und 1,80 m, Tiefe 45 cm, in der Ecke 85 x 85 cm. Auf dem langen Schenkel liegt eine Kreuzungsstation mit zwei Gleisen und einem Stumpfgleis für den Güterschuppen, ich nenne sie „Alp Sura“. In der Ecke soll das Herzstück entstehen: ein offener Kreisviadukt, auf dem die Strecke eine volle Schleife dreht und sich selbst überquert. Der kurze Schenkel führt durch eine Lawinengalerie in den Abstellbereich.
Fahren sollen rote Triebwagen mit zwei, drei Wagen und ein kurzer Güterzug. Mindestradius im Viadukt 330 mm.
Ist das auf der Fläche realistisch, oder träume ich?
Liebe Grüße, Anna
#2
Hallo Anna,
geträumt wird im Forum grundsätzlich, gerechnet aber auch. :)
Radius 330 mm ergibt für den Vollkreis 2,07 m Streckenlänge. Damit sich die Strecke überqueren kann, brauchst du in H0m mit Oberleitung etwa 7,5 cm Höhenunterschied. Das sind 3,6 % Steigung im engen Bogen, gefühlt eher 5 %.
Für Triebwagen mit Haftreifen und drei Wagen ist das machbar, für einen schwereren Güterzug grenzwertig. Passt aber zum Vorbild: Solche Rampen gibt es dort wirklich. Platz hast du mit 85 x 85 cm in der Ecke genug, der Kreis braucht außen rund 72 cm.
Mein Rat: Bau den Kreis zuerst provisorisch auf und fahr ihn mit deinem schwersten Zug.
Gruß, Tom
#3
Tom, das beruhigt mich sehr! Beim Vorbild sind es auf der Strecke, die mir vorschwebt, sogar 70 Promille ohne Zahnstange, da sind meine 36 fast gemütlich.
Ich habe gestern den Probekreis aufgebaut: Gleis auf einem Sperrholzstreifen, mit Holzklötzchen unterlegt. Der Triebwagen zieht drei Personenwagen ohne Zögern hinauf. Beim Güterzug war mit fünf beladenen Wagen Schluss, mit vier ging es. Damit kann ich leben, kurze Züge sehen auf dem Viadukt ohnehin schöner aus.
#4
Servus Anna,
nachdem ich grad sieben Bögen hinter mir hab, ein Tipp für den Kreis: Bau den Viadukt nicht als gebogene Wand, sondern als Vieleck. Jeder Bogen ist gerade, die Pfeiler sind im Grundriss leicht keilförmig, außen breiter als innen. So sind echte Bogenviadukte auch gemauert, und du kannst jede Bogenwand flach auf dem Tisch bauen.
Bei 330 mm Radius würde ich zwölf Felder auf den Vollkreis nehmen, also 30 Grad pro Feld. Das gibt außen etwa 18 cm Pfeilerabstand. Die Fahrbahn schneidest du als Ring aus einem Stück Sperrholz, die hält alles zusammen.
Gruß, Martin
#5
Martin, das Vieleck ist die Lösung, an einer gebogenen Wand wäre ich verzweifelt.
Stand nach zwei Wochenenden: Der Fahrbahnring aus 8 mm Sperrholz ist ausgesägt und steigt gleichmäßig an, getragen von provisorischen Stützen. Von den zwölf Feldern werden neun offene Bögen, die restlichen drei verschwinden im Hang. Vier Bogenwände sind fertig verkleidet, aus Hartschaum, in den ich die Steinreihen mit einem Bleistift eingedrückt habe. Das geht erstaunlich schnell und sieht nach Naturstein aus.
Die Station liegt auch schon: zwei Gleise mit je 75 cm Nutzlänge. Ein Triebwagen mit drei Wagen misst 68 cm, das passt.
#6
Hallo Anna,
von Schmalspurbahner zu Schmalspurbahnerin: Prüf vor dem endgültigen Verlegen im Kreis die Spurweite mit einer Lehre, alle zehn Zentimeter. Flexgleis zieht sich im engen Bogen gern zusammen, und ein halber Millimeter zu wenig genügt, damit die Wagen klemmen und der Zug in der Steigung hängen bleibt.
Und gib den leichten Wagen etwas Gewicht mit, 10 bis 15 Gramm in jeden. Im Bogen in der Steigung will die Lok die Wagen nach innen aus dem Gleis ziehen, das war bei uns im Großen nicht anders. Da haben wir die leeren Wagen deswegen nie direkt hinter die Lok gestellt.
#7
Hallo Anna,
für deine Kreuzungsstation gibt es eine vorbildnahe und zugleich sehr einfache Lösung: Rückfallweichen. Jede Einfahrweiche liegt in Grundstellung so, dass der einfahrende Zug immer auf sein Gleis geleitet wird. Bei der Ausfahrt drückt der Zug die Zungen auf, danach fallen sie durch eine Feder zurück.
Im Modell heißt das: aufschneidbare Weichen mit weicher Feder und keinerlei Antrieb. Zwei Züge können ohne jede Schaltung kreuzen. Wenn du später automatisieren willst, reichen zwei Belegtmelder und zwei Ausfahrsignale.
Wichtig ist nur, dass auch der leichteste Wagen die Zungen aufdrücken kann, das bitte vorher testen.
Grüße, Susanne
#8
Danke, Karl und Susanne! Beides ausprobiert:
Die Spurlehre hat tatsächlich zwei enge Stellen im Kreis gefunden, genau dort, wo der Güterzug immer gezuckt hat. Nachgerichtet, die Wagen haben je 12 Gramm Blei bekommen, und jetzt läuft auch der Vierwagenzug sauber durch die Schleife.
Die Rückfallweichen sind eingebaut. Ich habe die Federn etwas weicher gebogen, seitdem schneidet selbst der leere Flachwagen sie auf. Gestern Abend haben sich zum ersten Mal zwei Züge in Alp Sura gekreuzt, ganz ohne dass ich einen Schalter angefasst habe. Ich saß davor wie im Kino.
Als Nächstes werden die restlichen fünf Bögen verkleidet.
Liebe Grüße, Anna
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