Loks einmessen – wie viele Messfahrten braucht es wirklich?

20.09.2026 10:42
#1
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Glück auf zusammen,

ich habe mir im Sommer endlich eine PC-Steuerung für die Zechenbahn eingerichtet und bin jetzt beim Einmessen der Loks. Meine Steuerungssoftware will für jede Lok ein Geschwindigkeitsprofil haben, damit sie später punktgenau vor dem Signal hält. Messstrecke sind bei mir drei Belegtabschnitte hintereinander, der mittlere ist 120 cm lang und gerade.

Problem: Meine 94er liefert bei jeder Messfahrt andere Werte. Fahrstufe 40 von 126 ergibt mal 31 km/h, mal 36 km/h umgerechnet. Vorwärts und rückwärts liegen auch noch auseinander.

Wie viele Durchgänge fahrt ihr pro Lok, und ab welcher Streuung sagt ihr: passt, reicht? Ich habe 22 Loks vor mir und würde ungern bis Weihnachten jeden Abend nur im Kreis messen.

Glück auf, Holger

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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21.09.2026 23:46
#2
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Hallo Holger,

die Streuung ist zu groß, da stimmt vorher etwas nicht – mit mehr Messfahrten bekommst du das nicht weg. Geh bitte in dieser Reihenfolge vor:

  • Lok mindestens 10 Minuten warmfahren, je 5 Minuten pro Richtung. Kaltes Fett im Getriebe macht locker 10 % aus.
  • Im Decoder Beschleunigung und Bremsverzögerung für die Messung klein stellen (CV 3 und CV 4 auf 1 oder 2), sonst ist die Lok im Messabschnitt noch gar nicht auf Sollgeschwindigkeit.
  • Höchstgeschwindigkeit zuerst festlegen (CV 5), erst danach einmessen. Wer nachträglich an CV 2, 5 oder 6 dreht, fängt von vorne an.
  • Räder der Lok und Schienen der Messstrecke putzen.


Wenn das alles stimmt, reichen bei mir 12 bis 15 Stützpunkte über den ganzen Fahrstufenbereich, den Rest interpoliert die Software. Eine Abweichung unter 3 % zwischen zwei Durchgängen ist völlig in Ordnung.

Gruß, Susanne

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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22.09.2026 00:13
#3
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Ergänzung zu Susannes Liste: Schau nach, ob bei der 94er die Lastregelung überhaupt aktiv ist. Ohne Lastregelung hängt die Geschwindigkeit an der Schienenspannung und an jedem Wagen, den du dranhängst – dann kannst du messen, bis der Arzt kommt.

Außerdem muss in CV 29 das Bit 1 gesetzt sein (28/128 Fahrstufen), sonst reden Software und Decoder bei der Fahrstufenzahl aneinander vorbei. Typische Werte: CV 29 = 2 bei kurzer Adresse ohne Analogbetrieb, 10 mit Rückmeldung per RailCom, 34 bei langer Adresse.

Dass vorwärts und rückwärts leicht abweichen, ist bei Dampflokmodellen mit Schneckengetriebe normal. Die Software sollte beide Richtungen getrennt speichern, dann stört das nicht.

Gruß, Dirk

CV 29 ist kein Hexenwerk.


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26.09.2026 21:02
#4
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Volltreffer, Dirk. Die 94er hat einen älteren Decoder, bei dem ich die Lastregelung irgendwann für Doppeltraktion abgeschaltet und nie wieder eingeschaltet habe. Und die Bremsverzögerung stand auf 25 – das war dann wohl Fehler Nummer zwei.

Jetzt mit Regelung, CV 3 und 4 auf 2 und zehn Minuten Warmfahren: drei Durchgänge, maximal 1 km/h Unterschied. So kann man arbeiten.

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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26.09.2026 23:17
#5
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Bei mir im Dreileiter-Lager läuft das genauso, nur dass die Messabschnitte Kontaktgleise sind.

Ein Tipp vom alten Elektriker: Legt die Messstrecke nicht ans hinterste Ende einer langen Ringleitung. Ich hatte dort fast ein Volt weniger auf der Schiene als direkt an der Einspeisung, und bei Vollgas regelt auch die beste Lastregelung nichts mehr nach – wo keine Spannung ist, kann der Decoder keine herzaubern. Seit die Messstrecke alle 1,5 m eine eigene Einspeisung hat, sind die Werte oben herum stabil.

22 Loks sind übrigens an zwei verregneten Sonntagen erledigt. Die Software fährt ja allein, man muss nur den Kaffee nachfüllen.

Gruß, Willi

H0 Dreileiter · Epoche III · analog angefangen, digital angekommen


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26.09.2026 23:45
#6
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Kleine Rechenhilfe für alle, die prüfen wollen, ob die Software plausibel misst:

Vorbildgeschwindigkeit in km/h = Strecke in cm : Zeit in s × Maßstabszahl × 0,036

Bei H0 und 120 cm in 10 Sekunden also 12 × 87 × 0,036 = rund 37,6 km/h. Einmal mit der Stoppuhr nachgemessen, und man weiß, ob die eingetragene Abschnittslänge stimmt. Ein Zahlendreher bei der Länge ist der Klassiker.

In TT wären es bei gleicher Strecke und Zeit übrigens 51,8 km/h – wir sind eben einfach schneller ;)

Beste Grüße, Thorsten

TT ist die Spur der Mitte.


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01.10.2026 13:28
#7
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Anfängerfrage dazwischen: Muss man neu einmessen, wenn später Wagen dranhängen? Meine Opa-Lok ist mit fünf Wagen spürbar langsamer als solo.

Anfänger mit großen Plänen


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01.10.2026 13:52
#8
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Gute Frage, Ben. Mit funktionierender Lastregelung im Decoder: nein. Die hält die Geschwindigkeit, egal ob die Lok solo fährt oder zehn Wagen zieht – genau dafür ist sie da.

Wenn deine Lok mit fünf Wagen spürbar langsamer wird, hat sie entweder keine Lastregelung (analog oder sehr alter Decoder) oder sie arbeitet mechanisch am Limit. Dann würde ich erst die Lok anschauen, bevor du an PC-Steuerung denkst. Ohne Regelung kann man sich behelfen, indem man mit einem durchschnittlich langen Zug einmisst, aber punktgenau wird das nie.

Gruß, Susanne

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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01.10.2026 14:37
#9
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Zwischenstand von der Zeche: 14 von 22 Loks sind durch, alle unter 2 % Streuung. Zwei Kandidaten haben beim Warmfahren gezeigt, dass sie erst mal in die Werkstatt müssen – auch eine Erkenntnis.

Danke euch, das hat mir etliche Abende gespart.

Glück auf, Holger

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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