Formsignale richtig deuten: Hp 0, Hp 1, Hp 2 und die Vorsignale

24.09.2026 21:52
#1
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Hallo zusammen,

ich baue für einen Epoche-III-Bahnhof gerade Formsignale mit Servoantrieb. Die Elektronik ist mein Zuhause, das Vorbild leider nicht. Bevor ich etwas zusammenlöte, das technisch läuft und fachlich Unsinn ist, frage ich lieber die Betriebsleute.

Meine Lücken:

  • Wann zeigt ein Signal Hp 2, wann Hp 1?
  • Braucht jedes Hauptsignal ein Vorsignal, und wo steht das?
  • Was zeigt das Vorsignal, wenn das Hauptsignal Hp 2 zeigt?

Der Bahnhof ist ein kleiner Durchgangsbahnhof an einer eingleisigen Hauptbahn, drei Gleise, von einer Seite mündet zusätzlich eine Nebenbahn ein.

Andreas

Rot heißt Halt – auch im Hobbykeller.


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25.09.2026 00:21
#2
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Hallo Andreas,

der Reihe nach. Die drei Begriffe am Formhauptsignal:

  • Hp 0 – Halt: ein Flügel waagerecht
  • Hp 1 – Fahrt: ein Flügel schräg nach rechts oben
  • Hp 2 – Langsamfahrt: zwei Flügel schräg nach rechts oben

Hp 2 kommt immer dann, wenn der Fahrweg über abzweigende Weichen führt und deshalb nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden darf, im Regelfall 40 km/h. Die Einfahrt ins durchgehende Hauptgleis bekommt also Hp 1, die Einfahrt in die Ausweichgleise Hp 2. Dein Einfahrsignal braucht demnach zwei Flügel.

Das Vorsignal kündigt an, was am Hauptsignal zu erwarten ist:
  • Vr 0 – Halt erwarten: Scheibe steht senkrecht
  • Vr 1 – Fahrt erwarten: Scheibe liegt waagerecht
  • Vr 2 – Langsamfahrt erwarten: Scheibe senkrecht, Zusatzflügel schräg nach rechts abwärts

Es steht im Bremswegabstand vor dem Hauptsignal, auf Hauptbahnen sind das meist 1.000 oder 700 Meter.

Viele Grüße, Susanne

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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28.09.2026 23:49
#3
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Sauber erklärt, Susanne. Von mir die Standorte:

Das Einfahrsignal steht nicht an der ersten Weiche, sondern ein gutes Stück davor. Dazwischen liegt Platz, damit im Bahnhof rangiert werden kann, ohne dass ein ankommender Zug gefährdet wird. Ausfahrsignale stehen am Ende der Hauptgleise; bei kleinen Bahnhöfen gab es oft nur ein gemeinsames Gruppenausfahrsignal für mehrere Gleise.

Und für deine Nebenbahn, Andreas: Die braucht nicht unbedingt ein Einfahrsignal. Auf einfachen Nebenbahnen steht stattdessen häufig eine Trapeztafel. Der Zug hält dort und wartet, bis er hereingerufen wird. Das ist vorbildgerecht, sieht gut aus und spart dir einen Servo.

Gruß, Uwe

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29.09.2026 00:19
#4
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Das hilft enorm, danke euch beiden. Die Trapeztafel nehme ich sofort, ein Servo weniger ist ein Servo weniger.

Zwei Nachfragen: Ich will die Signale auch beleuchten. Welche Lichter zeigen die Formsignale bei Nacht? Und hat jemand Erfahrung, wie schnell sich so ein Flügel bewegen sollte? Bei meinem Testaufbau schnappt er in einer Viertelsekunde um, das sieht nach Mausefalle aus.

Rot heißt Halt – auch im Hobbykeller.


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29.09.2026 08:06
#5
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Zu den Nachtzeichen:

  • Hp 0: ein rotes Licht
  • Hp 1: ein grünes Licht
  • Hp 2: ein grünes und senkrecht darunter ein gelbes Licht
  • Vr 0: zwei gelbe Lichter
  • Vr 1: zwei grüne Lichter
  • Vr 2: ein gelbes und ein grünes Licht

Beim Vorsignal stehen die beiden Lichter nicht nebeneinander, sondern schräg, nach rechts ansteigend. Daran erkennt der Lokführer schon aus der Ferne, dass er ein Vorsignal vor sich hat und kein Hauptsignal.

Für dich als Elektroniker: Beim Vorbild sind das farbige Blenden, die sich mit dem Flügel vor einer Laterne bewegen. Im Modell reichen feste LEDs in Warmweiß hinter farbigen Blenden – oder gleich farbige LEDs, die du passend zur Flügelstellung umschaltest.

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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30.09.2026 07:51
#6
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Zur Mausefalle: Ein Formsignalflügel braucht beim Vorbild ein bis zwei Sekunden und federt am Ende leicht nach, weil der Drahtzug nachgibt. Genau das macht den Reiz aus.

Praktisch:

  • Stellzeit am Servodecoder auf etwa 1,5 Sekunden
  • wenn dein Decoder ein Nachwippen anbietet, einschalten und dezent halten
  • Endlagen vor dem Einhängen des Stelldrahts einstellen, erst klein anfangen und dann herantasten

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Servo, der beim ersten Einschalten auf Vollausschlag läuft, reißt dir den Flügel samt Mast ab. Frag nicht, woher ich das weiß.

Dirk

CV 29 ist kein Hexenwerk.


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30.09.2026 08:30
#7
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Planerischer Einwand zum Vorsignal: 1.000 Meter Bremswegabstand sind in H0 rund 11,5 Meter. Das hat niemand. Es gibt drei ehrliche Lösungen:

  • Vorsignal weglassen, weil es außerhalb des dargestellten Bereichs steht
  • Vorsignal etwa eine Zuglänge vor dem Hauptsignal aufstellen und die Stauchung akzeptieren
  • Vorsignal direkt an die Anlagenkante oder vor das Tunnelportal setzen, so weit weg wie irgend möglich

Bei einem kleinen Durchgangsbahnhof würde ich Variante eins nehmen. Ein Vorsignal, das zwei Wagenlängen vor seinem Hauptsignal steht, sieht schlimmer aus als gar keins.

Tom

Erst planen, dann sägen.


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30.09.2026 12:49
#8
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Zitat von Gleisplaner_Tom
1.000 Meter Bremswegabstand sind in H0 rund 11,5 Meter.


In TT sind es nur 8,33 Meter. Ich sage ja immer, die Spur der Mitte löst Probleme. ;)

Im Ernst: Mit meiner Schul-AG haben wir das Vorsignal an die Einfahrt des Schattenbahnhofs gesetzt, so weit weg vom Einfahrsignal, wie es die Anlage hergibt. Die Schüler haben dabei nebenbei gelernt, warum ein Zug einen Bremsweg hat. Das war mir mehr wert als der korrekte Abstand.

TT ist die Spur der Mitte.


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30.09.2026 13:39
#9
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Bestens, damit steht der Plan:

  • zweiflügliges Einfahrsignal auf der Hauptbahnseite
  • Trapeztafel an der Nebenbahn
  • ein Gruppenausfahrsignal je Richtung
  • Vorsignal entfällt, es steht gedanklich im Tunnel

Servos laufen jetzt mit 1,5 Sekunden und leichtem Nachwippen. Der Unterschied ist verblüffend, aus der Mausefalle ist ein Signal geworden. Danke an alle!

Andreas

Rot heißt Halt – auch im Hobbykeller.


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