Ätzteile für Brückengeländer: biegen, löten oder kleben?
#1
Servus,
für mein großes Viadukt habe ich Geländer als Ätzteile aus 0,2-mm-Neusilber besorgt, insgesamt 1,40 m in Abschnitten von je 10 cm. Als Zimmerer kann ich mit Balken umgehen, aber vor dieser Platine habe ich Respekt: hauchdünn, die Haltestege kaum zu sehen, und jeder Pfosten soll am Fuß um 90 Grad umgebogen werden.
Meine Fragen:
- Womit trenne ich die Teile aus dem Rahmen, ohne sie zu verbiegen?
- Wie bekomme ich saubere Biegekanten ohne Spezialwerkzeug?
- Verbindet man die Abschnitte besser mit Lötzinn oder mit Sekundenkleber?
Servus, Martin
#2
Hallo Martin,
keine Angst vor dem Blech.
Heraustrennen: Platine auf eine harte Unterlage legen, Glasplatte oder Fliese. Nicht auf die Schneidematte, da drückt sich das Teil durch und verbiegt. Dann mit einer frischen Skalpellklinge die Stege direkt am Bauteil durchdrücken, nicht sägen. Reste mit einer feinen Feile in Längsrichtung wegnehmen.
Biegen: Die Biegelinien sind halb durchgeätzt, und bei 90 Grad gehört diese Nut nach innen. Teil zwischen zwei Stahllineale klemmen, Nut genau an der Kante, mit einem dritten Lineal oder einer Rasierklinge hochklappen. In einem Zug, nicht hin und her. Zweimal biegen heißt einmal brechen.
Jürgen
#3
Zum Verbinden: löten. Kleber hält auf den winzigen Stoßflächen nicht dauerhaft, schon gar nicht, wenn man beim Staubwischen hängen bleibt.
So geht es: Lötstation auf 320 bis 350 °C, feine Spitze, Flussmittel mit dem Pinsel an die Stelle, ein winziges Stück Lot mit 0,5 mm Durchmesser dazulegen und kurz antippen. Das Lot zieht von allein in die Fuge. Hinter jeden Stoß löte ich ein Stück 0,3-mm-Draht als Verstärkung.
Danach die Flussmittelreste mit Isopropanol und einer Zahnbürste abwaschen, sonst blüht es unter dem Lack grün.
Gruß, Andreas
#4
Aus der Feinmechanik: Bau dir für die 14 Abschnitte eine Lötlehre. Ein Brettchen mit einer geraden Anschlagleiste, darauf die Teile mit Haarklammern aus Aluminium fixieren – Alu nimmt kein Lot an. Dann wird das Geländer gerade, und du verbrennst dir nicht die Finger.
Vor dem Lackieren mit dem Glasfaserradierer blank reiben und einen Haftgrund für Metall verwenden.
Gruß, Rainer
#5
Danke euch! Stand nach zwei Abenden: alle 14 Abschnitte herausgetrennt, gebogen und zu zwei Strängen von je 70 cm verlötet. Die Glasplatte war der entscheidende Tipp, auf der Schneidematte hatte ich das erste Teil prompt verbogen.
Zitat von Pufferküsser
Zweimal biegen heißt einmal brechen.
Kann ich bestätigen, ein Pfosten hat es nicht überlebt. Fällt aber zwischen den anderen nicht auf. Am Wochenende kommt das Geländer aufs Viadukt.
Servus, Martin
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