Rollbock oder Rollwagen – wo liegt eigentlich der Unterschied?
#1
Moin zusammen,
für mein nächstes CAD-Projekt in H0e will ich Normalspur-Güterwagen auf der Schmalspur transportieren. Beim Recherchieren stolpere ich ständig über zwei Begriffe, die anscheinend nicht dasselbe meinen: Rollbock und Rollwagen. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich, was was ist.
Kann das jemand so erklären, dass ich danach weiß, was ich konstruieren muss? Vor allem interessiert mich, wie der Normalspurwagen da überhaupt draufkommt und wie die Fuhre dann mit dem Rest des Zuges gekuppelt wird.
Der Drucker ist schon warm. :)
Nils
#2
Das wird gern verwechselt, dabei ist es einfach.
Ein Rollbock ist ein kleines zweiachsiges Schmalspurfahrgestell, das unter eine einzelne Achse des Normalspurwagens kommt. Ein zweiachsiger Güterwagen braucht also zwei Rollböcke. Aufgebockt wird in einer Rollbockgrube: Dort liegt das Schmalspurgleis vertieft zwischen den Normalspurschienen, die Rollböcke werden unter die Achsen gefahren und nehmen den Wagen beim Herausziehen auf.
Ein Rollwagen ist dagegen ein langer, niedriger Schmalspurwagen, auf dem oben ein Stück Normalspurgleis liegt. Der Güterwagen wird über eine Kopframpe als Ganzes daraufgeschoben und mit Vorlegern festgelegt.
Gekuppelt wird in beiden Fällen über Kuppelstangen, weil die Puffer des aufgebockten Wagens viel zu hoch sitzen. Und gefahren wurde mit solchen Zügen langsam und mit Gefühl. So eine Fuhre hat ihren Schwerpunkt weit oben.
Gruß, Karl
#3
Für die Planung zwei Punkte, bevor du konstruierst:
Erstens die Umsetzanlage. Eine Rollwagenrampe ist im Modell deutlich einfacher zu bauen als eine Rollbockgrube: Das Normalspurgleis endet stumpf an der Rampe, dahinter beginnt auf tieferem Niveau das Schmalspurgleis. Rechne mit mindestens zwei Rollwagenlängen plus Lok vor der Rampe.
Zweitens das Lichtraumprofil. Ein Normalspurwagen auf einem Rollwagen steht um dessen Bauhöhe höher als normal. Jeder Tunnel, jede Brücke und jedes Bahnsteigdach an deiner Schmalspurstrecke muss das hergeben. Miss das aus, bevor die Landschaft steht.
Tom
#4
Jetzt ist es klar, danke! Dann wird es der Rollwagen, die Rampe traue ich mir zu.
Das Lichtraum-Thema hätte ich garantiert übersehen. Ich drucke mir gleich eine Profillehre mit, die ich probeweise über die Strecke schieben kann.
Eine Sorge habe ich noch: So ein Resin-Rollwagen wiegt fast nichts, und obendrauf steht ein vergleichsweise schwerer Güterwagen. Kippt mir das nicht in jeder Kurve um?
#5
Berechtigte Sorge, lässt sich aber lösen. Das Gewicht muss nach unten:
- Ballast so tief wie möglich in den Rahmen, also Bleistreifen oder Wolframknete zwischen die Längsträger
- Metallradsätze statt gedruckter Räder
- Messing-Lagerbuchsen in den gedruckten Rahmen einsetzen, sonst läuft das Resin an den Achsspitzen aus
- den aufgesetzten Güterwagen möglichst leicht halten, also Ladegewicht raus
Konstruiere die Taschen für Ballast und Buchsen gleich mit ein, nachträgliches Fräsen in Resin ist kein Vergnügen. Und teste mit dem höchsten Wagen, den du hast, im engsten Bogen.
Rainer
In meinen Nebenbahn-Bildbänden sind Rollbockzüge immer die Aufnahmen, an denen ich am längsten hängen bleibe: ein ausgewachsener Güterwagen, der scheinbar über einem viel zu schmalen Gleis schwebt, davor eine kleine Dampflok, die das alles ganz selbstverständlich wegzieht.
Nils, wenn du an Details der Kuppelstangen und der Befestigung kommen willst: Such in der Bibliothek nach Bildbänden über einzelne Schmalspurbahnen. Dort sind die Umsetzanlagen fast immer fotografiert, weil sie so ungewöhnlich waren.
#7
Moin. Aus Betriebssicht ist das ein Geschenk. Auf der Wagenkarte ist der Normalspurwagen die Fracht, der Rollwagen das Transportmittel – und das hat seine eigene Karte.
Wenn du nur vier Rollwagen hast, kommen eben nur vier Normalspurwagen pro Zug ins Tal, und die leeren müssen erst wieder zur Rampe zurück. Das ergibt einen Engpass, den du nicht künstlich erfinden musst. Besser geht es nicht.
#8
Kurzer Bericht aus der Druckecke: Die ersten beiden Rollwagen sind fertig. Knapp zehn Zentimeter lang, mit Taschen für Bleistreifen und Messingbuchsen, wie von Rainer empfohlen. Ohne Ballast 14 Gramm, mit Blei 31.
Der Test mit meinem höchsten gedeckten Güterwagen im engsten Bogen: steht. Erst wenn ich das Ganze mit dem Finger anschubse, wird es wackelig – und das mache ich im Betrieb dann einfach nicht. :D
Die Profillehre hat übrigens sofort ein Bahnsteigdach erwischt. Danke, Tom!
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