Lok mit eingebautem Decoder auf analoger Anlage – geht das gut?
#1
Verehrte Forengemeinde,
meine Kinder haben mir vor drei Wochen zum Geburtstag eine fabrikneue Lokomotive geschenkt, eine wunderschöne Baureihe 23. Gut gemeint – nur ist sie ab Werk mit einem Digitaldecoder samt Geräusch ausgestattet, und ich fahre seit jeher rein analog, mit Fahrgerät und Drehregler.
Nun bin ich unsicher: Darf ich die Lok überhaupt auf mein analoges Gleis stellen, ohne etwas zu beschädigen? In der Anleitung steht einiges über „CV“ und „Adressen“, was sich mir als altem Postbeamten nicht auf Anhieb erschließt.
Für eine verständliche Auskunft wäre ich dankbar.
Mit freundlichem Gruß, Erwin
#2
Hallo Erwin,
keine Sorge, das geht in aller Regel gut. Fast alle aktuellen Decoder erkennen selbst, ob am Gleis ein Digitalsignal oder eine analoge Fahrspannung anliegt, und schalten in den Analogbetrieb.
Was du merken wirst:
- Die Lok fährt erst los, wenn der Regler schon ein gutes Stück aufgedreht ist. Der Decoder braucht selbst erst einige Volt, um aufzuwachen.
- Der Sound läuft mit, lässt sich aber nicht einzeln schalten – kein Pfiff auf Knopfdruck.
- Die Höchstgeschwindigkeit ist etwas geringer.
Ob der Analogbetrieb erlaubt ist, steht in CV 29 (Bit 2). Ab Werk ist das fast immer eingeschaltet, du musst also nichts programmieren.
Gruß, Dirk
#3
Erwin, eine Ergänzung aus der Praxis: Mit einem modernen Fahrgerät ist das unkritisch. Vorsicht wäre nur bei sehr alten Trafos geboten, die beim Umschalten der Fahrtrichtung einen kräftigen Spannungsimpuls aufs Gleis geben – der kann höher ausfallen, als mancher Decoder mag. Aber die alten Schätzchen hängen bei dir ja ohnehin nicht mehr am Netz, wenn ich mich recht erinnere.
Gruß, Willi
#4
Herzlichen Dank, die Herren. Ich habe es soeben gewagt: Die 23 setzt sich bei etwa einem Drittel Reglerweg in Bewegung, zischt und schnauft dabei höchst eindrucksvoll und hat meine Frau aus dem Nebenzimmer herbeigelockt. Das ist bei meinen Blechloks noch nie vorgekommen.
Eine Frage erlaube ich mir noch: Das Standgeräusch ist recht kräftig. Lässt sich die Lautstärke auch ohne Digitalzentrale reduzieren?
#5
Ohne Zentrale leider nicht, die Lautstärke ist ein CV-Wert und muss einmal programmiert werden. Welche CV das ist, hängt vom Decoder ab und steht in der Anleitung. Aber das ist eine Sache von zwei Minuten: Nimm die Lok zum nächsten Stammtisch oder Börsentag mit, irgendjemand hat dort immer eine Zentrale mit Programmiergleis dabei. Einmal eingestellt, bleibt der Wert dauerhaft gespeichert – auch im Analogbetrieb.
Und wer weiß, vielleicht kommst du dabei auf den Geschmack. :)
#6
Von mir nur der übliche Werkstatthinweis für fabrikneue Loks: Gönn ihr eine Einfahrzeit. Je zwanzig Minuten vorwärts und rückwärts bei mittlerer Geschwindigkeit, ohne Last. Getriebe und Kohlen laufen sich ein, danach fährt sie spürbar weicher an. Geölt wird in den ersten Betriebsstunden nichts, das hat das Werk erledigt.
Viel Freude mit der 23 – eine der schönsten Neubaudampfloks, wie ich finde.
Rainer
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