Analog weiterfahren oder gleich digital einsteigen?
#1
Hallo zusammen,
die Platte steht (1,60 x 0,80 m, wie besprochen), das Oval liegt, Opas Dampflok dreht ihre Runden am geliehenen Fahrgerät. Jetzt muss ich das Fahrgerät zurückgeben und selbst etwas kaufen.
Frage: Analog bleiben oder gleich digital? Ich lese überall, digital sei „die Zukunft“, aber auch, dass es teuer und kompliziert sei. Mit Technik habe ich beruflich zu tun, Angst vor Kabeln habe ich keine. Aber ich habe genau eine Lok, und die ist deutlich älter als ich.
Was spricht bei einer so kleinen Anlage wofür?
Ben
#2
Hallo Ben,
die Kurzfassung: Analog steuerst du das Gleis, digital steuerst du die Lok.
Analog liegt am Gleis eine veränderliche Spannung, und alles, was draufsteht, fährt los. Zwei Loks unabhängig voneinander? Geht nur mit abschaltbaren Gleisabschnitten und Schaltern.
Digital liegt immer volle Spannung am Gleis, und jede Lok hat einen Decoder mit eigener Adresse. Du kannst zwei Loks auf demselben Gleis unabhängig fahren, Licht schalten, langsam anfahren lassen. Die Verdrahtung wird dadurch einfacher, nicht komplizierter: zwei Drähte ans Gleis, fertig.
Gerade auf einer kleinen Anlage mit Rangierbetrieb ist das ein echter Gewinn. Ein gebrauchtes Steuergerät aus einem Startset reicht dafür völlig.
Gruß, Dirk
#3
Ich bin selbst dreißig Jahre analog gefahren und erst spät umgestiegen. Bereut habe ich nur, es nicht früher getan zu haben.
Aber fairerweise: Analog ist nicht schlecht. Für ein Oval mit einer Lok brauchst du kein Digitalsystem. Sobald aber die zweite Lok kommt – und die kommt, glaub mir – fängst du analog an, Trennstellen zu sägen und Schalter zu verdrahten. Dieses Geld und diese Arbeit steckst du besser gleich in eine kleine Zentrale.
Gruß, Willi
#4
Glück auf Ben,
ich seh das wie Willi. Und noch ein Punkt, der gern vergessen wird: Fahreigenschaften. Ein ordentlich eingestellter Decoder mit Lastregelung lässt auch eine alte Lok im Schritttempo über die Weichen kriechen. Das schafft analog kaum ein Fahrgerät. Beim Rangieren ist das Gold wert.
Holger
#5
Das klingt alles ziemlich eindeutig. Bleibt die Frage nach Opas Lok: Die hat natürlich keinen Decoder und auch keine Schnittstelle, nehme ich an. Kann man da überhaupt einen Decoder einbauen, oder muss ich sie in Rente schicken? Das würde ich nur sehr ungern tun.
#6
Hallo Ben,
in Rente muss sie nicht. Fast jede Lok lässt sich digitalisieren, es ist nur eine Frage des Aufwands. So gehe ich vor:
- Erst reinigen und abschmieren. Eine Lok, die analog schlecht läuft, läuft digital nicht besser.
- Stromaufnahme messen: Lok festhalten, bis die Räder durchdrehen, dabei den Strom ablesen. Liegt der Wert unter 1 A, passt praktisch jeder Standarddecoder.
- Prüfen, ob ein Motoranschluss mit dem Fahrgestell verbunden ist. Der Motor muss vom Rahmen elektrisch getrennt werden, sonst stirbt der Decoder beim ersten Einschalten.
- Decoder mit Kabeln einlöten: zwei ans Gleis, zwei an den Motor, dazu Licht.
Punkt drei ist der, an dem die meisten Einsteiger-Umbauten scheitern. Mit dem Durchgangsprüfer in Ruhe messen, dann klappt das.
Rainer
#7
Ergänzend zu Rainer: Wenn alles verlötet ist, den ersten Test immer auf dem Programmiergleis machen, nicht auf dem Hauptgleis. Dort fließt nur ein begrenzter Strom, und ein Verdrahtungsfehler kostet dich keinen Decoder. Lässt sich die Adresse (CV 1, ab Werk 3) auslesen, ist die Verkabelung in Ordnung.
Danach würde ich als Erstes CV 3 und CV 4 (Anfahr- und Bremsverzögerung) auf Werte um 15 bis 20 setzen. Dann rollt die alte Dame gleich viel würdevoller an.
#8
Update: Ich habe mir eine gebrauchte kleine Zentrale aus einer Startpackung besorgt und am Wochenende mit einem Kollegen den Decoder eingelötet. Der Motor hing tatsächlich mit einem Pol am Rahmen – ohne Rainers Hinweis hätte ich das nie gemerkt.
Ergebnis: Adresse 3 ausgelesen, Lok fährt, Licht geht, und sie kriecht jetzt so langsam über die Platte, wie ich es vorher nicht für möglich gehalten hätte. Opa hätte gestaunt.
Danke an alle!
Ben
#9
Glückwunsch, Ben! Motor vom Rahmen trennen, Strom messen, erst am Programmiergleis testen – das ist angewandte Physik, dafür gäbe es bei mir eine Eins. Die Schüler in meiner AG brauchen für ihren ersten Decodereinbau meist zwei Anläufe und einen Ersatzdecoder. ;)
Beste Grüße, Thorsten
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