Baureihe 50 – warum war die eigentlich überall?

29.06.2026 08:04
#1
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Glück auf zusammen,

für meine Zechenbahn suche ich die passende Lok für die Übergaben zwischen Zechenanschluss und Staatsbahn. Je mehr ich in alten Bildern blättere, desto öfter steht da eine 50er im Bild – vor Kohlezügen, vor Nahgüterzügen, sogar vor Personenzügen. Die war ja offenbar überall.

Was ich bisher weiß: Einheitslok, fünf gekuppelte Achsen, gebaut ab Ende der 30er. Was ich nicht weiß: Warum ausgerechnet die? Und worauf muss ich achten, wenn sie in die späte Epoche III im Ruhrgebiet passen soll – Tender, Windleitbleche, Lampen?

Nietenzähler vor! ;)

Holger

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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29.06.2026 08:42
#2
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Gerufen, erschienen.

Das Erfolgsrezept der 50 ist schnell erklärt: Achsfolge 1'E, also eine Laufachse vorn und fünf Kuppelachsen, dazu eine niedrige Achslast von rund 15 Tonnen. Damit durfte sie auch auf leichter gebaute Nebenstrecken. Und sie war vorwärts wie rückwärts für 80 km/h zugelassen – ohne Drehscheibe am Endbahnhof kein Problem. Gebaut wurden ab 1939 über 3.000 Stück. Viel Zugkraft, überall einsetzbar, in Massen vorhanden: So wird man zum Mädchen für alles.

Für deine späte Epoche III bei der DB:

  • kleine Witte-Windleitbleche statt der großen Wagner-Bleche
  • drittes Spitzenlicht ab Ende der 50er Jahre
  • bei vielen Maschinen ein Kabinentender

Letzterer ist für dich interessant: Der Tender bekam eine kleine Kabine für den Zugführer. Damit konnte der Güterzugbegleitwagen entfallen.

Jürgen

Niete gezählt, Welt in Ordnung.


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29.06.2026 09:35
#3
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Verehrte Runde,

die 50 hat auch in der Modellbahngeschichte ihren festen Platz. In meiner Vitrine steht ein Modell aus den frühen 60er Jahren: schweres Metallgehäuse, angegossene Leitungen, vereinfachtes Gestänge. Nach heutigen Maßstäben grob, gewiss. Aber sie zieht nach einer gründlichen Reinigung des Motors noch immer zwölf Wagen die Rampe hinauf, und das nach über sechzig Jahren.

Ich meine, es sagt einiges über ein Vorbild aus, wenn es schon damals in keinem Sortiment fehlen durfte.

Mit freundlichem Gruß, Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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29.06.2026 10:08
#4
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Als Dresdner muss ich den Blick kurz nach Osten lenken: Die 50 lief auch bei der Reichsbahn in großer Zahl. Dort hat man ab Ende der 50er Jahre rund 200 Maschinen mit neuen Kesseln rekonstruiert, das sind die Reko-50er der Unterbaureihe 50.35.

Und noch eine Verwandte: Die Kriegslok der Baureihe 52 ist im Kern eine radikal vereinfachte 50. Wer also eine 52 mit Wannentender sieht, sieht die Sparversion derselben Konstruktion.

In TT gibt es beide übrigens ganz ausgezeichnet. Musste gesagt werden. :)

Beste Grüße, Thorsten

TT ist die Spur der Mitte.


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03.07.2026 21:43
#5
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Der Kabinentender ist gekauft – also gedanklich. Das spart mir bei kurzen Übergaben den Begleitwagen und sieht dazu noch besonders aus.

Eine Frage noch: Ihr schreibt 80 km/h. Lief die 50 dann auch planmäßig vor Personenzügen, oder waren das Notlösungen, wenn gerade nichts anderes da war?

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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03.07.2026 22:31
#6
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Planmäßig, Holger. Auf Nebenbahnen und vor Personenzügen mit vielen Halten reichen 80 km/h dicke, und die Zugkraft beim Anfahren hatte sie sowieso. Ich habe als Junge in Nordhessen oft genug am Bahnsteig gestanden, wenn eine 50 mit einer Handvoll Umbauwagen einlief. Schön war das Geräusch beim Anfahren am Berg: langsam, tief und sehr entschlossen.

Auf meiner Anlage macht sie genau das: morgens der Personenzug, mittags der Nahgüterzug. Eine Lok, zwei Jobs – das hätte meinem alten Chef gefallen.

Gruß, Willi

H0 Dreileiter · Epoche III · analog angefangen, digital angekommen


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04.07.2026 08:29
#7
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Noch eine Fußnote für die Epoche-IV-Fahrer unter uns: Als die DB 1968 auf Computernummern umstellte, waren noch so viele 50er im Bestand, dass eine einzige dreistellige Baureihennummer nicht ausreichte. Deshalb verteilen sie sich auf 050 bis 053. Die letzten hielten sich bis in die allerletzten Dampfjahre der DB Mitte der 70er.

Wenn man bedenkt, dass die Konstruktion aus den 30ern stammt, ist das eine beachtliche Laufbahn.

Niete gezählt, Welt in Ordnung.


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04.07.2026 11:36
#8
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Dann ist die Sache klar: eine 50 mit Kabinentender und Witte-Blechen für die Übergaben, Dreilicht-Spitzensignal inklusive. Und wenn mal ein Personenzug am Zechenbahnhof vorbeikommt, weiß ich jetzt auch, wer ihn ziehen darf.

Danke, Männer. Das war wieder Unterricht vom Feinsten.

Glück auf, Holger

Epoche II/III · Zweileiter DCC · Ruhrgebiet im Modell


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