Motortausch V 100: Glockenanker und Schwungmasse statt Dreipoler
#1
Hallo zusammen,
auf dem Werktisch lag diese Woche eine gut 30 Jahre alte V 100 in H0 aus dem Bekanntenkreis. Mechanisch gesund, aber der dreipolige Motor ruckelte bei Schrittgeschwindigkeit und nahm im Leerlauf 320 mA. Der Besitzer rangiert viel, also Umbau.
Was ich gemacht habe:
- alten Motor samt Halterung heraus, Einbauraum vermessen: 38 mm lang, 16 mm breit
- Glockenankermotor mit 13 mm Durchmesser und beidseitiger 1,5-mm-Welle eingesetzt
- Schwungmasse aus Messing, 12 mm Durchmesser und 6 mm lang, auf einer Wellenseite zwischen Motor und Kardangelenk
- Übergang auf die vorhandenen 2-mm-Kardanaufnahmen mit Reduzierhülsen
- Motorhalter als Klemmschale, mit zwei Schrauben M1,6 im alten Gewinde befestigt
Ergebnis: Leerlauf 60 mA, kleinste Geschwindigkeit umgerechnet etwa 2 km/h, Auslauf aus mittlerer Fahrt gut eine Loklänge.
Wichtig ist, dass die Schwungmasse rund läuft. Ich prüfe das mit der Messuhr; mehr als 0,03 mm Schlag hört man später als Brummen.
Gruß, Rainer
#2
Stark! Den Motorhalter kann man übrigens gut drucken: Klemmschale mit 13,1 mm Innendurchmesser, ein Schlitz zum Spannen und eine Schraubenlasche. Dafür nehme ich Filament in einer zähen Sorte, kein Resin, das wird neben einem warmen Motor mit der Zeit spröde.
Wenn du mir die Maße der alten Halterung gibst, zeichne ich das gern als Vorlage für alle, die nachbauen wollen.
Nils
#3
Hinweis für alle, die nachbauen und digital fahren: Nach einem Motortausch passen die Regelparameter des Decoders nicht mehr. Ein Glockenanker mag eine hohe Ansteuerfrequenz und eine weichere Lastregelung als der alte Dreipoler, sonst brummt oder ruckt die Lok.
Wo das eingestellt wird, ist herstellerabhängig, also ins Decoderhandbuch schauen. Viele Decoder bieten eine automatische Einmessfahrt für den Motor.
Überall gleich und danach neu einzustellen sind CV 2 (Anfahrspannung, mit dem neuen Motor meist 1 bis 3), CV 5 (Höchstgeschwindigkeit) und CV 6 (Mittengeschwindigkeit). Wer mit PC-Steuerung fährt, muss die Lok anschließend neu einmessen.
Gruß, Dirk
#4
Als Sammler erlaube ich mir eine Bitte an alle Umbauer: den Originalmotor samt Halterung beschriftet in einem Tütchen aufbewahren. Ein Umbau, der sich zurückbauen lässt, ist eine Verbesserung. Einer, der sich nicht zurückbauen lässt, ist eine Entscheidung für immer.
Fachlich habe ich nichts hinzuzufügen – saubere Arbeit, Rainer, und 60 mA sind beachtlich.
Mit freundlichen Grüßen, Erwin
#5
Glück auf Rainer,
60 statt 320 mA ist ne Ansage. Frage vom Mechaniker: Wie setzt du die Schwungmasse auf die Welle – pressen oder kleben? Ich habe mal eine mit dem Hämmerchen „überredet“, danach war die Motorwelle krumm und der Motor Schrott.
#6
Niemals schlagen, Holger :)
Die Bohrung mache ich ein Hundertstel größer als die Welle, dann wird die Schwungmasse mit einem Tropfen Fügeklebstoff für Welle-Nabe-Verbindungen aufgeschoben und härtet über Nacht aus. Beim Aufschieben das andere Wellenende gegenhalten, damit der Druck nicht auf die Motorlager geht.
Nils: Angebot angenommen, die Maße der Halterung schicke ich dir per PN. Erwin: Der alte Motor liegt gereinigt und beschriftet in der Schachtel, Ehrensache.
Gruß, Rainer
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