Programmiergleis meldet „kein Decoder gefunden“ nach Einbau
#1
Sehr geehrte Forengemeinde,
ich habe mich erstmals an einen Decodereinbau gewagt, und zwar in eine Gleichstromlok aus dem Jahr 1962, die mir besonders am Herzen liegt. Eine Schnittstelle besitzt sie naturgemäß nicht, ich habe daher einen Decoder mit freien Litzen verwendet und nach dem Farbschema angeschlossen: Rot an die rechte Schiene, Schwarz an die linke, Orange und Grau an den Motor, Weiß an die vordere Lampe, Blau als gemeinsamer Rückleiter der Lampe.
Auf dem Programmiergleis meldet meine Zentrale nun beharrlich „kein Decoder gefunden“, gleich welche CV ich auslesen möchte. Aufs Hauptgleis habe ich die Lok vorsichtshalber noch nicht gestellt.
Habe ich den Decoder womöglich bereits beschädigt? Für sachkundigen Rat wäre ich sehr dankbar.
Mit Sammlergruß
Erwin
#2
Hallo Erwin,
zunächst: Die Reihenfolge war goldrichtig. Das Programmiergleis arbeitet mit stark begrenztem Strom, dort kann ein Verdrahtungsfehler den Decoder praktisch nicht zerstören. Deshalb testet man jeden Neueinbau zuerst dort.
Zum Verständnis: Der Decoder antwortet beim Auslesen, indem er für einige Millisekunden den Motor einschaltet. Die Zentrale erkennt diesen kurzen Stromimpuls als Quittung. Kommt kein Impuls, heißt es „kein Decoder“. Die häufigste Ursache ist deshalb nicht der Decoder, sondern ein Motor, der nicht richtig angeschlossen ist.
Viele Grüße, Susanne
#3
Meine Prüfliste für diesen Fall, in dieser Reihenfolge:
- Kontakt Gleis zu Lok: Räder und Programmiergleis sauber?
- Rot und Schwarz: kommen wirklich beide Schienenpotenziale am Decoder an?
- Orange und Grau: Durchgang zum Motor vorhanden?
- Bei alten Loks ganz wichtig: Ist eine der Motorbürsten noch mit dem Fahrgestell verbunden? Beide Motoranschlüsse müssen vollständig vom Rahmen isoliert sein, sonst gibt es spätestens auf dem Hauptgleis Ärger.
Gruß, Dirk
#4
Punkt drei kannst du in einer Minute messen, Erwin. Lok vom Gleis, Multimeter auf Widerstand, Messspitzen an die Lötstellen von Orange und Grau am Decoder. Bei einem gesunden Motor dieser Bauzeit solltest du irgendetwas zwischen 10 und 40 Ohm sehen, und beim Drehen am Anker von Hand zappelt der Wert.
Zeigt das Gerät „unendlich“, ist die Leitung zum Motor irgendwo offen. Nach über 60 Jahren würde ich als Erstes die Lötfahnen an den Bürstenhaltern verdächtigen. Auf altem, angelaufenem Messing hält Lötzinn nur, wenn man vorher blank kratzt.
Gruß, Willi
#5
Verehrte Helfer,
Herr Willi hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Messung zwischen Orange und Grau ergab keinerlei Durchgang. Die graue Litze lag an der Lötfahne des linken Bürstenhalters lediglich an, das Zinn hatte auf dem angelaufenen Messing nicht gebunden. Ich habe die Fahne mit dem Glasfaserstift blank gemacht und neu verlötet, nun messe ich 22 Ohm.
Die Zentrale liest jetzt anstandslos: CV 1 = 3, CV 29 = 6. Die von Herrn Dirk angesprochene Isolierung der Bürsten gegen den Rahmen habe ich ebenfalls geprüft, sie ist gegeben.
Ich danke Ihnen allen herzlich für die geduldige Unterstützung.
#6
Das „Herr“ kannst du weglassen, Erwin, hier duzen sich alle, sogar die Zweileiter- mit den Dreileiterfahrern. ;)
Schön, dass die alte Dame wieder läuft. Lass sie auf dem Hauptgleis die ersten Runden mit niedriger Fahrstufe drehen und fass nach zehn Minuten mal an den Motor. Alte Anker ziehen manchmal mehr Strom, als ein kleiner Decoder mag.
#7
Dazu noch der Hinweis aus der Werkstatt: Den Stromverbrauch kann man vorher analog messen. Lok an einen Gleichstromfahrregler, Amperemeter in Reihe, Lok mit der Hand festhalten, bis die Räder durchdrehen. Liegt der Wert unter dem Dauerstrom des Decoders, passt es. Liegt er drüber, erst Motor reinigen, Kollektor säubern, sparsam ölen und neu messen. Meist ist es danach deutlich weniger.
Gruß, Rainer
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