Lötstation und Lötzinn für Gleisanschlüsse – was nehmt ihr?
#1
Hallo ihr Lieben,
ich möchte endlich selbst Anschlussdrähte an meine H0m-Gleise löten, statt immer fertige Anschlussgleise zu kaufen. Mein erster Versuch war ein Trauerspiel. Ich habe einen einfachen Lötkolben mit 30 W ohne Regelung, und damit ist Folgendes passiert: Das Zinn perlt von der Schiene ab, ich halte länger drauf, und am Ende sind zwei Schwellen geschmolzen und der Draht hält trotzdem nicht.
Bevor ich weitere Gleise ruiniere:
- Was für einen Lötkolben oder welche Art Lötstation braucht man?
- Welche Temperatur, welche Spitze?
- Welches Lötzinn? Brauche ich Lötfett oder Lötwasser?
Liebe Grüße vom Bodensee
Anna
#2
Hallo Anna,
das Ergebnis ist typisch für einen zu schwachen Kolben. Er bringt die Schiene nicht schnell genug auf Temperatur, die Wärme wandert derweil in die Schwellen.
Empfehlung:
- Geregelte Lötstation mit 60 bis 80 W. Die Leistung brauchst du nicht dauernd, aber sie liefert die Wärme sofort nach.
- Für Schienen eine meißelförmige Spitze mit etwa 2,4 mm Breite, für Decoderlitzen später eine feine mit 1 mm.
- Temperatur: bei bleifreiem Lot 360 bis 380 °C für Schienen, bei bleihaltigem reichen 330 bis 350 °C.
- Elektroniklot mit Flussmittelseele, 0,5 bis 1 mm Durchmesser.
Lötfett und Lötwasser bitte nicht verwenden. Beides ist säurehaltig und für Dachrinnen gedacht, an Gleisen und Elektronik frisst es mit der Zeit die Lötstelle an. Wenn zusätzliches Flussmittel, dann säurefreies für Elektronik.
Andreas
#3
Dazu die Handgriffe, an denen es bei den meisten hängt:
- Schiene an der Lötstelle blank machen, mit Glasfaserstift oder feiner Feile. Auf angelaufenem oder brüniertem Profil hält nichts.
- Draht abisolieren, verdrillen, verzinnen.
- Schiene an der Stelle verzinnen: Spitze anlegen, zwei Sekunden warten, Zinn zugeben, weg.
- Erst dann den verzinnten Draht an die verzinnte Stelle halten und kurz mit der Spitze antippen. Das Zinn verläuft, fertig.
Links und rechts der Lötstelle klemme ich je eine Krokodilklemme oder einen nassen Wattebausch an die Schiene, das schützt die Schwellen. Löten kann man außen am Schienenfuß oder, vor dem Verlegen, unter dem Profil. Dann sieht man später gar nichts.
Gruß, Willi
#4
Der Merksatz aus der Lehrwerkstatt lautet: kurz und heiß statt lang und lauwarm. Es klingt verkehrt, aber mit dem kräftigeren Kolben schmelzen weniger Schwellen, weil die Lötung in zwei Sekunden erledigt ist.
Und halte die Spitze sauber. Vor jeder Lötung kurz in Messingwolle abstreifen und frisch verzinnen. Eine schwarze, verzunderte Spitze überträgt kaum Wärme, da hilft auch die beste Station nichts.
Gruß, Rainer
#5
Ich habe es letztes Jahr auch erst gelernt. Was mir geholfen hat: nicht am guten Gleis anfangen. Nimm ein Reststück, 20 cm reichen, und löte da zehn Drähte dran. Die ersten drei werden hässlich, ab dem fünften hat man den Rhythmus.
Außerdem: Fenster auf beim Löten, die Flussmitteldämpfe sind nichts für die Nase. Und eine dritte Hand zum Festhalten ist Gold wert. Meine besteht aus zwei Wäscheklammern auf einem Holzklotz.
Nils
#6
Für die Schmalspur noch ein Wort: Unsere Schienenprofile sind niedriger und feiner als das normale H0-Gleis, die Schwellen sitzen dichter. Ich nehme dünnes Lot mit 0,5 mm und nur einen Hauch davon, sonst hat man einen Zinnklumpen am Profil, an dem später die Spurkränze anstoßen. Immer an der Außenseite löten und danach mit dem Finger innen entlangfahren, ob alles glatt ist.
Es grüßt aus dem Harz, Karl
#7
Bericht von der Lötfront: Eine geregelte Station mit 80 W ist eingezogen, dazu Elektroniklot mit 0,5 mm. Das Lötfett aus Papas Werkzeugkiste ist wieder dort, wo es hingehört.
Ich habe nach Nils' Rat an einem Reststück geübt. Draht eins bis drei: Klumpen. Draht vier: hält, aber unschön. Ab Draht sechs: zwei Sekunden, glänzende kleine Lötstelle, Schwellen unversehrt. Die Krokodilklemmen links und rechts sind ein prima Trick.
Heute habe ich die ersten vier echten Einspeisungen an der Bergstrecke gelötet, außen am Schienenfuß, wie Karl schreibt. Man sieht fast nichts. Ich bin ein bisschen stolz.
Danke euch allen!
Anna
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