Abstoßen, Ablaufen, Beidrücken – wie wurde früher wirklich rangiert?

11.08.2026 16:12
#1
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Moin zusammen,

meine Hafenbahn ist ja eine reine Rangieranlage, gespielt wird mit Wagenkarten. Dabei mache ich im Grunde immer dasselbe: Die Lok schiebt jeden Wagen brav bis an seinen Platz, kuppelt ab, fährt zurück. Funktioniert, kommt mir aber sehr ordentlich vor.

In alten Filmaufnahmen sieht man dagegen Wagen, die ganz allein durchs Bild rollen, und Männer, die irgendwas auf die Schiene legen. Wie lief das wirklich? Was genau ist Abstoßen, und wer hat die Wagen wieder angehalten? Und wie viel davon gilt heute noch – ich spiele Epoche V/VI.

Stefan

Hafenbahn in H0 · Epoche V/VI


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13.08.2026 08:11
#2
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Da kann ich was zu sagen, ich habe genug davon gesehen. Beim Abstoßen wird die Wagengruppe vorher entkuppelt. Die Lok schiebt an, beschleunigt kurz und bremst dann. Die Wagen rollen allein weiter ins Zielgleis. Angehalten wurden sie auf zwei Arten: Entweder fuhr ein Rangierer auf der Bremserbühne mit und drehte die Handbremse an, oder ein Kollege legte im Zielgleis einen Hemmschuh auf die Schiene. Das Rad läuft auf, der Schuh rutscht mit und bremst den Wagen über die Reibung ab.

Das Ganze im großen Stil ist der Ablaufberg: Der Zug wird über einen Buckel gedrückt, und die Wagen laufen durch ihr eigenes Gewicht in die Richtungsgleise.

Wichtig fürs Spiel: Nicht alles durfte abgestoßen werden. Besetzte Personenwagen nie, und Wagen mit empfindlicher oder gefährlicher Ladung trugen einen Zettel, dass vorsichtig zu rangieren ist. Die wurden beigedrückt, also genau so behandelt wie bei dir.

Gruß, Karl

H0e und H0m · Harzer Schmalspur seit Jahrzehnten


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13.08.2026 14:06
#3
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Ergänzend aus Sicht des Stellwerks: Eine Rangierfahrt ist keine Zugfahrt. Sie braucht keine Fahrstraße mit Hauptsignal, aber die Zustimmung des zuständigen Weichenwärters oder Fahrdienstleiters. Verständigt hat man sich früher mit Arm, Pfeife und Horn – es gibt eigene Rangiersignale für Wegfahren, Herkommen und Rangierhalt.

Heute läuft das fast alles über Funk. Und in deiner Epoche, Stefan, ist der Normalfall der Lokrangierführer: ein Mann, der die Lok per Funkfernsteuerung vom Rangiertritt oder vom Boden aus fährt und selbst kuppelt. Abgestoßen wird außerhalb der großen Rangierbahnhöfe kaum noch.

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13.08.2026 14:30
#4
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Moin, das ist ja praktisch: Dann ist mein ordentliches Beidrücken für Epoche VI gar nicht falsch, sondern vorbildgerecht. Die Figur mit dem Bauchladen-Sender habe ich sogar schon.

Bleibt die Geschwindigkeit. Wie schnell wird beim Vorbild rangiert? Ich habe das Gefühl, ich bin viel zu flott unterwegs.

Hafenbahn in H0 · Epoche V/VI


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14.08.2026 08:23
#5
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Bist du vermutlich, das sind fast alle. Beim Vorbild gilt für Rangierfahrten in der Regel höchstens 25 km/h, beim Heranfahren an stehende Wagen Schrittgeschwindigkeit.

Umgerechnet auf H0: 25 km/h sind knapp 7 m/s, geteilt durch 87 macht rund 8 cm pro Sekunde. Für einen Meter Gleis braucht die Lok also gut zwölf Sekunden. Stopp das mal mit der Uhr, das ist ernüchternd.

Zweiter Tipp: Zeitstrafen. Nach dem Kuppeln zehn Sekunden stehen bleiben (Bremse anschließen), vor dem Abkuppeln fünf. Das kostet nichts und macht aus einer Viertelstunde Spiel eine Dreiviertelstunde.

Tom

Erst planen, dann sägen.


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14.08.2026 08:50
#6
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Decoderseitig hilft der Rangiergang. Bei den meisten Decodern liegt er auf einer Funktionstaste, oft F3 oder F6: halbe Geschwindigkeit über den ganzen Reglerweg, Anfahr- und Bremsverzögerung abgeschaltet. Dann kannst du zentimetergenau an den Wagen heranfahren.

Wenn die Lok trotzdem zu schnell ist, begrenze die Höchstgeschwindigkeit dauerhaft über CV 5. Eine reine Rangierlok braucht keine Streckengeschwindigkeit. Ich habe meine Rangierdiesel so eingestellt, dass Vollgas am Regler genau den 8 cm/s von Tom entspricht – dann kann man nichts mehr falsch machen.

Dirk

CV 29 ist kein Hexenwerk.


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14.08.2026 09:10
#7
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Zitat von Gleisplaner_Tom
Für einen Meter Gleis braucht die Lok also gut zwölf Sekunden.


Gestoppt: Ich lag bei vier. :D

CV 5 ist jetzt runtergesetzt, die Wartezeiten stehen auf einem Zettel am Anlagenrand. Erste Runde gestern Abend: acht Wagenkarten in 50 Minuten statt in 20. Fühlt sich zum ersten Mal nach Arbeit an – im guten Sinne. Danke!

Hafenbahn in H0 · Epoche V/VI


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14.08.2026 09:53
#8
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Weil hier bisher nur von großen Loks die Rede ist: Im kleinen Landbahnhof hat oft eine Köf rangiert. Der Name ist übrigens ein Kürzel – K für Kleinlok, ö für Ölmotor, also Diesel, f für Flüssigkeitsgetriebe.

Das Reizvolle daran: Die Kleinloks durften von eigens eingewiesenen Bahnhofsmitarbeitern gefahren werden, den Kleinlokbedienern. Derselbe Mann, der morgens Frachtbriefe geschrieben hatte, stieg mittags auf die Köf und stellte zwei Wagen an die Ladestraße. Das niedrige, anfangs sogar seitlich offene Führerhaus war genau dafür gedacht: schnell runter, kuppeln, wieder rauf.

Für eine Rangieranlage gibt es kaum ein dankbareres Vorbild.

Herzliche Grüße, Karin

Kleinloks und Nebenbahn-Idylle


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14.08.2026 10:19
#9
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Recht hat sie, die Karin. Und noch ein Nachtrag zum Hemmschuh: Das war das Werkzeug, das auf jedem Bahnhof am häufigsten gesucht wurde. Irgendwo lag immer einer im Schotter, nur nie da, wo man ihn brauchte.

H0e und H0m · Harzer Schmalspur seit Jahrzehnten


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