Bistabile Relais für Abstellgleise – Freilaufdiode ja oder nein?

27.08.2026 12:35
#1
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Hallo Elektrikfraktion,

für unser neues Bahnhofsmodul baue ich drei abschaltbare Abstellgleise. Bei Treffen sollen dort Loks stromlos abgestellt werden können, und zwar von beiden Modulseiten aus bedienbar, weil die Fahrdienstleiter mal vorn, mal hinten stehen.

Mein Plan: pro Gleis ein bistabiles Relais mit zwei Spulen (12 V), auf jeder Modulseite zwei Taster „Ein“ und „Aus“, die Taster beider Seiten einfach parallel. Die Relais behalten ihre Stellung ja auch ohne Strom, das ist beim Auf- und Abbau praktisch.

Fragen an die Fachleute:

  • Brauche ich Freilaufdioden an den Spulen, wenn nur Taster schalten?
  • Wie herum gehören die Dioden?
  • Was müssen die Kontakte aushalten?


Holz kann ich, bei Halbleitern frage ich lieber.

Micha

Module verbinden – Menschen auch.


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28.08.2026 14:39
#2
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Hallo Micha,

das Konzept passt, bistabile Relais mit zwei Spulen sind dafür genau richtig.

Freilaufdiode: Bei reiner Tasterbedienung funktioniert es auch ohne. Ich würde sie trotzdem einbauen, sie kostet fast nichts und schont die Tasterkontakte, die sonst bei jedem Loslassen einen kleinen Funken abbekommen. Pflicht wird sie, sobald irgendwann ein Decoderausgang oder ein Transistor die Spule schaltet. Ohne Diode ist der Transistor nach wenigen Schaltvorgängen hinüber.

Richtung: Diode parallel zur Spule, in Sperrrichtung. Der Ring, also die Kathode, zeigt zum Pluspol. Typ 1N4148 oder 1N4007, beides geht.

Wichtig: Das gilt nur bei Gleichspannung. An Wechselspannung darf keine Diode parallel zur Spule, sie würde jede zweite Halbwelle kurzschließen.

Kontakte: Für H0-Fahrstrom mindestens 2 A Schaltstrom, besser 5 A. Nimm Relais mit zwei Umschaltern. Über den zweiten Kontaktsatz kannst du auf beiden Seiten eine LED als Rückmeldung leuchten lassen.

Andreas

Rot heißt Halt – auch im Hobbykeller.


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29.08.2026 07:55
#3
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Zum Warum, weil es schöne Physik ist: Eine Spule speichert Energie in ihrem Magnetfeld. Wird der Strom plötzlich unterbrochen, will die Spule ihn weitertreiben und erzeugt dafür eine Spannungsspitze, die ein Vielfaches der Betriebsspannung erreichen kann, bei kleinen Relais durchaus über hundert Volt. Die Diode bietet dem Strom einen Weg im Kreis, er klingt in der Spule ab, und die Spannung bleibt harmlos.

Das ist dieselbe Erscheinung, die am Schalter funkt, wenn man einen Magnetantrieb von Hand schaltet.

Beste Grüße, Thorsten

TT ist die Spur der Mitte.


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29.08.2026 12:03
#4
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Vom Praktiker noch zwei Dinge. Erstens: Relais auf Sockel setzen, nicht direkt einlöten. Wenn bei einem Treffen eines ausfällt, wechselst du es in zehn Sekunden, statt unter dem Modul zu löten, während zwanzig Leute auf ihre Züge warten.

Zweitens: Beim Abschalten eines Abstellgleises reicht es, eine Schiene zu trennen. Ich würde es trotzdem für alle drei Gleise einheitlich machen, immer dieselbe Schiene, und das auf dem Modul vermerken. Sonst sucht der Nächste, der dort eine Rückmeldung nachrüstet.

Gruß, Willi

H0 Dreileiter · Epoche III · analog angefangen, digital angekommen


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30.08.2026 16:38
#5
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Gebaut und beim Stammtisch-Probeaufbau getestet: drei Relais auf Sockeln, an jeder Spule eine 1N4007 mit dem Ring zum Plus, Taster auf beiden Seiten parallel. Der zweite Kontaktsatz schaltet je eine grüne LED vorn und hinten mit 2,2 kOhm Vorwiderstand an 12 V.

Das funktioniert tadellos, und nach dem Wiederaufbau standen die Relais noch genauso wie beim Abbau. Getrennt wird überall die hintere Schiene, das steht jetzt mit Brandmalstift auf der Unterseite.

Danke, Andreas, Thorsten und Willi. Wieder etwas gelernt, das man beim nächsten Treffen weitergeben kann.

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