Kellerklima: 72 Prozent Luftfeuchte im Sammlungsraum

12.09.2026 18:37
#1
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Guten Abend,

nach dem feuchten Spätsommer zeigt das Hygrometer in meinem Sammlungskeller 72 Prozent relative Luftfeuchte bei 18 Grad. Das beunruhigt mich: An zwei Blechwagen habe ich am Bodenblech feine Rostpünktchen entdeckt, und die Kartons einiger Originalverpackungen fühlen sich klamm an.

Bisher habe ich nur gelüftet, meist nachmittags, wenn es draußen warm war. Ein Bekannter meinte, genau das sei falsch. Stimmt das? Und welche Werte strebt ihr in euren Anlagen- und Sammlungsräumen an? Ich überlege, einen elektrischen Luftentfeuchter anzuschaffen, scheue aber den Dauerbetrieb.

Für Erfahrungen wäre ich dankbar.

Mit Sammlergruß
Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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12.09.2026 21:02
#2
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Tach Erwin,

dein Bekannter hat recht. Warme Sommerluft trägt viel Wasser, und wenn die in den kühlen Keller kommt, kühlt sie ab und gibt die Feuchte an Wände und Blech ab. Im Sommer also nur lüften, wenn es draußen kälter ist als drinnen – früh morgens oder nachts. Im Winter ist es umgekehrt, da darf man fast immer.

Bei mir steht seit Jahren ein Kondenstrockner im Anlagenraum, eingestellt auf 55 Prozent. Der läuft nicht dauernd, sondern schaltet über den eingebauten Hygrostat. Im Sommer hole ich zwei bis drei Liter am Tag raus, im Winter fast nichts. Den Stromverbrauch merkt man, aber Rost an Schienen und Radsätzen merkt man mehr.

Gruß, Willi

H0 Dreileiter · Epoche III · analog angefangen, digital angekommen


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12.09.2026 21:28
#3
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Hallo Erwin,

ergänzend etwas zur Messung, denn darauf baut alles auf. Einfache Hygrometer können leicht fünf bis zehn Prozentpunkte danebenliegen. Du kannst deines selbst prüfen: Das Gerät zusammen mit einem Schälchen feuchtem Kochsalz (ein Brei, keine Lösung) in einen dicht verschlossenen Beutel legen und acht bis zwölf Stunden warten. Darin stellen sich ziemlich genau 75 Prozent ein. Zeigt dein Gerät 70, weißt du, dass du immer fünf Punkte addieren musst.

Als Zielbereich für Räume mit Metall, Papier und Holz gelten 45 bis 55 Prozent als gut. Wichtig ist vor allem, dass der Wert nicht stark schwankt.

Viele Grüße
Susanne

Signale, Blöcke, Fahrstraßen – am liebsten am PC gestellt


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12.09.2026 21:41
#4
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Hallo Erwin,

aus Sicht des Schreiners: Susannes Hinweis auf die Schwankungen ist der wichtigste. Holz verträgt 45 Prozent, und es verträgt 65 Prozent, aber es mag den Wechsel nicht. Eine Sperrholzplatte von einem Meter Breite ändert sich dabei kaum, ein Massivholzbrett quer zur Faser dagegen leicht um ein paar Millimeter. Deshalb baue ich Rahmen aus Sperrholz und nicht aus Latten.

Für deine Kartons: nicht direkt an die Außenwand und nicht auf den Boden stellen. Ein Regal mit zehn Zentimetern Abstand zur Wand und Luft dahinter macht schon viel aus.

Grüße, Bernd

Schwarzwaldbahn in H0 · Kehrtunnel im Bau


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13.09.2026 14:49
#5
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Moin Erwin,

zu den Rostpünktchen: nicht schleifen. Bei alten Blechwagen nimmst du sonst die originale Lackierung mit. Ich tupfe solche Stellen mit einem Wattestäbchen und einem Tropfen säurefreiem Öl ab, lasse es einen Tag einziehen und wische trocken nach. Das stoppt den Rost und erhält die Patina.

Für Vitrine oder Schublade helfen Beutel mit Trockenmittel, die man im Backofen bei niedriger Temperatur wieder regenerieren kann. Die ersetzen keinen Entfeuchter, puffern aber im Kleinen.

Rainer

Erst reinigen, dann ölen – aber sparsam.


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14.09.2026 13:14
#6
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Servus,

das umgekehrte Problem gibt's auch: Ein Spezl von mir hat seine Anlage auf dem Dachboden, da hat es im Winter 30 Prozent Luftfeuchte und im Sommer 35 Grad. Bei ihm sind die Gleise auf der Korkbettung gewandert, und die Hartschaumplatten haben sich an den Stößen gehoben. Er hat jetzt gedämmt und stellt im Winter einen Luftbefeuchter auf.

Der Keller ist also gar nicht so schlecht, Erwin. Feuchte kriegt man mit einem Gerät raus, Hitze unterm Dach nur mit viel Aufwand.

Martin

Gebirgsanlage H0 · Epoche V · Viadukte im Bau


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15.09.2026 13:24
#7
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Hallo Erwin,

falls du wissen willst, was der Keller macht, wenn du nicht hinsiehst: Ich logge bei mir Temperatur und Feuchte alle zehn Minuten mit einem kleinen Sensor am Mikrocontroller. Erkenntnis nach einem Jahr: Die Spitzen kommen nicht bei Regen, sondern an schwülen Tagen, wenn jemand das Kellerfenster offen lässt – genau das, was Willi beschreibt.

Es geht aber auch ohne Basteln: Viele Hygrometer speichern Minimal- und Maximalwert. Einmal pro Woche ablesen und zurücksetzen reicht, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Dirk

CV 29 ist kein Hexenwerk.


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15.09.2026 14:06
#8
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Liebe Susanne, meine Herren,

habt herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten. Ich habe den Salztest gemacht: Mein Hygrometer zeigt 71 statt 75 Prozent, die Lage war also noch etwas schlechter als gedacht.

Die Konsequenzen: Das Kellerfenster bleibt tagsüber zu, die Kartons sind auf ein Regal mit Wandabstand umgezogen, und seit vorgestern läuft ein Kondenstrockner mit Hygrostat, eingestellt auf 55 Prozent. Nach zwei Tagen stehen wir bei 61, Tendenz fallend. Die Rostpünktchen habe ich nach Rainers Methode behandelt.

Mit Sammlergruß
Erwin

Sammler alter Modellbahnen der 50er und 60er Jahre


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