Brennweite an der Strecke: Reicht mein Standardzoom?
#1
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst an der Höllentalbahn fotografieren, von den Wanderwegen aus, und die Bilder später als Vorlage für meine Regalanlage nutzen. Vorhanden ist eine Systemkamera mit dem Standardzoom 18–55 mm, Sensor im APS-C-Format.
Jetzt überlege ich, ob ich mir vorher ein Teleobjektiv zulegen soll. In Fotoberichten liest man ständig von 200 oder 300 mm, und ich frage mich, ob ich mit meinen 55 mm überhaupt etwas ausrichten kann.
Meine Fragen:
- Mit welchen Brennweiten fotografiert ihr an der Strecke am häufigsten?
- Lohnt sich ein Tele für den Anfang?
- Stativ mitnehmen, ja oder nein?
Viele Grüße, Nadine
#2
Hallo Nadine,
behalte dein Geld erst mal. Die allermeisten meiner Streckenaufnahmen entstehen zwischen 35 und 85 mm, auf Kleinbild gerechnet. Dein 18–55 entspricht am APS-C-Sensor etwa 27 bis 82 mm. Damit deckst du genau diesen Bereich ab.
Meine Faustregel:
- 35–50 mm: die klassische Dreiviertelansicht vom Weg neben der Strecke, Zug formatfüllend
- 85–135 mm: Zug in der Kurve, die Perspektive wird verdichtet
- über 200 mm: selten, und im Sommer flimmert über dem Schotter die Luft so, dass die Schärfe leidet
Ein Tele ist reizvoll, aber kein Muss. Wichtiger ist der Standort, und den findet man zu Fuß, nicht im Fotogeschäft.
Jürgen
#3
Ich halte ein bisschen dagegen, weil ich das Tele liebe. Eine Dampflok von vorn mit 200 mm, die Dampffahne steht über dem ganzen Zug, die Wagen dahinter rücken eng zusammen: Das kriegst du mit 50 mm nicht hin.
Aber: Tele heißt kurze Belichtungszeit, also braucht es Licht, und im engen Tal ist das im Herbst knapp. Für Vorlagenfotos, auf denen man Gelände und Bauwerke erkennen soll, ist das Standardzoom tatsächlich die bessere Wahl. Recht hat er, der Jürgen. Ungern zugegeben.
Glück auf, Holger
#4
Ich werfe das andere Ende in die Runde: Weitwinkel. Im Gebirge fotografiere ich oft mit umgerechnet 24 bis 28 mm, weil ich das Viadukt, die Felswand und den Himmel im Bild haben will. Der Zug ist dann klein, aber er muss das Bild nicht füllen. Er muss nur an der richtigen Stelle sein.
Für deine Vorlagenfotos ist das sogar ideal, Nadine. Du willst ja wissen, wie die Strecke im Gelände liegt.
Stativ: lass es zu Hause. Bei Tageslicht brauchst du es nicht, und auf Wanderwegen zählt jedes Kilo.
#5
Zur Brennweite ist alles gesagt, deshalb zwei Gestaltungstipps von der Mediengestalterin:
Gib dem Zug Platz in Fahrtrichtung. Wenn die Lok mit der Nase am Bildrand klebt, wirkt das Bild eingesperrt. Ein Drittel freier Raum vor dem Zug, und es atmet.
Und such dir einen Vordergrund. Ein Zaunpfahl, ein Ast, eine Wiese mit Herbstgras im unteren Bilddrittel geben Tiefe. Genau das, was wir auf der Anlage mit der vorderen Kante auch machen.
LG Lisa
#6
Vielen Dank euch allen, das spart mir eine Anschaffung und einige Gramm im Rucksack. Ergebnis:
- Standardzoom bleibt, kein Tele
- Stativ bleibt zu Hause
- bewusst auch mit 18 mm fotografieren, wegen der Geländeübersicht
- Platz vor dem Zug lassen
Ich nehme zusätzlich ein Notizbuch mit und schreibe zu jedem Standort Kilometer und Blickrichtung auf. Sonst weiß ich zu Hause wieder nicht, was wo war.
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